Mexiko-Pflegeprojekt auf dem Winterberg geht in zweite Runde

Pressemitteilung /

15 weitere Pflegekräfte aus Mexiko sind gerade angekommen und verstärken nun das Team Winterberg.

15 weitere Pflegekräfte aus Mexiko zwischen 24 und 34 Jahren gehören nun zum Team Winterberg: Sie sind in dieser Woche im Saarland angekommen und verstärken nun die Pflegemannschaft im Klinikum Saarbrücken. Es ist bereits die zweite Auflage eines erfolgreichen Pflege-Projekts, mit dem sich das Klinikum Saarbrücken aktiv dem Fachkräftemangel entgegenstemmt. Personaldirektor Thomas Hesse sieht das Werben um ausländische Fachkräfte als wesentlichen Baustein beim Ausweg aus dem Fachkräftemangel. Die 13 Damen und zwei Herren aus Mexiko zwischen 24 und 34 Jahren gestalten zukünftig die Pflege im Klinikum Saarbrücken mit und haben dafür jeweils rund 10.000 Kilometer zurückgelegt – die meisten stammen aus dem rund 9500 Kilometer von Saarbrücken entfernten Bundesstaat Puebla, welcher im zentralen Hochland zwischen der Sierra Nevada und der Sierra Madre östlich von Mexiko-Stadt liegt. Weitere Herkunftsorte: Oaxaca (9500 km), Guadalajara (9700), Zacatecas (9400), Mexiko City (9300). Eingesetzt sind die 15 Neuankömmlinge auf 15 verschiedenen Stationen des Klinikums, beispielsweise auf der Neurologie (Station 95), der Mutter-Kind-Station (Station 21) oder auf den Isolationsstation 06 und 16.

Nach der Theorie kommt jetzt die Praxis

Für die studierten Pflegefachkräfte aus Mexiko beginnt jetzt die praktische Umsetzung eines neuen Lebensabschnitts, der bislang viel Theorie und viel Fernweh beinhaltete: Nach bestandener Sprachprüfung in Mexiko (B1-Niveau) und strukturierter Vorbereitung auf ein Leben in einem anderen Land startet nun der Einsatz in der Praxis als Pflegehelfer auf dem Winterberg. Die hochqualifizierten Pflegefachkräfte haben ein Pflegestudium in Mexiko absolviert und können nach Kenntnisprüfung in Deutschland als anerkannte Pflegefachkräfte arbeiten – wegen eines „gesättigten“ Arbeitsmarktes für Pflegekräfte ist dies in Mexiko nicht oder nur schwer möglich. „Deshalb gibt es zwischen den Regierungen ein Vermittlungsabkommen, so dass am Ende beide Länder in der Kooperation einen Nutzen sehen und davon überzeugt sind“ so Thomas Hesse.

Die mexikanische Arbeitsverwaltung Servicio Nacional de Empleo (SNE) und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit begleiteten das Projekt erneut engmaschig. Vertreter des Teams Winterberg holten die neuen Kolleginnen und Kollegen am Flughafen in Frankfurt ab – die mexikanischen Kolleginnen und Kollegen überraschten sie mit einem Team-Shirt des Winterberg-Logos in Mexiko-Farben, das sie in geheimer Mission vorbereitet haben. Auch mexikanische Pflegekräfte aus dem ersten Jahrgang haben die Neuankömmlinge begrüßt und stehen ihren neuen Kolleginnen und Kollegen nun als Patinnen und Paten zur Seite.

Wesentlicher Baustein beim Thema Fachkräftemangel

Für Personaldirektor Thomas Hesse ist es ein „Riesen-Erfolg“, dass das Pflege-Projektnun bereits in die zweite Runde geht. Nur mit einem „Blumenstrauß an Maßnahmen“, zu denen auch das Rekrutieren im Ausland gehört, könne man dem Fachkräftemangel aktiv entgegentreten. „Ich bin überzeugt davon, dass das Werben um ausländische Fachkräfte ein wesentlicher Baustein ist, um eine Entlastung bei unseren Pflegekräften zu erreichen“, sagt der Personaldirektor und hebt dabei besonders die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Uniklinik hervor: „Die beiden Maximalversorger des Saarlandes tun sich zusammen, um in einem Umstand, der alle Krankenhäuser gleichermaßen trifft, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu agieren. Das ist aus meiner Sicht etwas ganz Besonderes und zeigt, dass wir statt einander Personal abzuwerben gemeinsam an einer Lösung des Pflegekräftemangels arbeiten. Er ergänzt: Dennoch setzen wir natürlich auch auf Ausbildung von jungen Menschen hier im Saarland. Wir bieten mehr Ausbildungsplätze an und können diese auch besetzen. Beide Maßnahmen zusammen sind ein gutes ermutigendes Signal für unsere Pflegekräfte.“

Auch Pflegedirektor Hagen Kern sieht die Verstärkung durch die mexikanischen Kollegen als wichtigen Baustein zur Stabilisierung der einzelnen Stationsteams: „Die Integration unseres ersten Jahrgangs ist hervorragend gelungen“, sagt er, „wir sehen, dass sie gut ausgebildet sind und eine ausgeprägte Berufserfahrung mitbringen – und damit das komplette Team Winterberg stärken.“

"Ein schöneres Kompliment gibt es doch nicht"

Als größtes Lob empfinden die beiden Projektverantwortlichen auf dem Winterberg, dass sich die mexikanischen Pflegefachkräfte aus der ersten Projektwelle (Oktober 2020) um weitere Kollegen aus ihrer Heimat bemüht haben: „Es gefällt unseren Mexikanern so gut, dass sie andere Menschen, ihre Freunde, Verwandte und Bekannte, dafür begeistert haben, zu uns zu kommen und diesen Weg zu gehen“, berichtet Thomas Hesse, „ein schöneres Kompliment gibt es doch nicht“.

Rückblick: Bereits im Oktober 2020 kamen durch das Gemeinschaftsprojekt mit der Uniklinik Homburg mexikanische Pflegekräfte ins Saarland, 14 davon auf den Winterberg. Mit bestandener Sprachprüfung (Niveau B1) in der Tasche reisten sie nach Deutschland und arbeiteten in der ersten Phase als Pflegehelferinnen und Pflegehelfer auf den Stationen. Parallel dazu bauten sie mit Sprachunterricht ihre Deutschkenntnisse weiter aus. Das war die Voraussetzung für ein unbefristetes Arbeitsverhältnis: „Wer die Sprachprüfung auf B2-Niveau bestanden hat und die Kenntnisprüfung erfolgreich absolviert hat, hat von uns ein Jobangebot als Pflegefachkraft bekommen – gleichwertig und daher auch gleich bezahlt wie die deutschen Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Thomas Hesse. Auf dem Winterberg haben dies bislang 10 Pflegefachkräfte aus Runde 1 geschafft.

 

Hintergrund:

Das Klinikum Saarbrücken engagiert sich nicht nur im Pflege-Bereich, sondern auch beim Thema Ärztemangel: Vier Ärztinnen und sechs Ärzte aus Mexiko starteten vor fünf Monaten im Rahmen des Ärzte-Programms „Specialized!“ in Kooperation mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit ihre berufliche Weiterentwicklung auf dem Winterberg. Das Klinikum Saarbrücken agiert als einzige „regionale Pilot-Klinik“ und bahnt als Vorreiter den Weg für eine geordnetere Integration von ausländischen Fachkräften.

Wie funktioniert Integration außerhalb des Arbeitsplatzes?

Dabei können alle noch viel lernen, sagt Personaldirektor Thomas Hesse: „Man muss diesen Prozess der Integration ausländischer Fachkräfte vom Ende her denken“, sagt er: „Die berufliche Integration läuft – doch wie geht es außerhalb des Arbeitsplatzes weiter? Wie schaffen wir, dass unsere Fachkräfte hier ankommen und sich wohlfühlen? Hier müssen alle nochmal strukturiert zupacken und Prozesse vereinfachen. Ich sehe es als selbstverständlich an, dass wir hier unsere Erfahrungen mit einbringen – für uns endet die Fürsorgepflicht nicht mit einer vollendeten beruflichen Integration. Wir engagieren uns, um dies zu stabilisieren und in den privaten Bereich zu transferieren.“

 

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Der Flug hatte Verspätung, das konnte aber die Freude auf das neue Leben in Deutschland nicht trüben. Bereichsleiter Christian Hübsch, Personaldirektor Thomas Hesse und Pflegedirektor Hagen Kern (rechts außen, v.o.n.u.) holten die Neuankömmlinge am Flughafen ab.

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