Nach mehr als 30 Jahren auf dem Winterberg verabschiedet sich die stellvertretende Pflegedirektorin Myriam Weis in die Altersteilzeit. Mit drei Weiterbildungen parallel zum Arbeitsalltag hat sich die gelernte „Krankenschwester“ schon frühzeitig neue berufliche Perspektiven und immer wieder einen Plan B geschaffen: Als Stationsleitung in verschiedenen Disziplinen, als Qualitätsmanagementbeauftragte, als Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen und zuletzt in der Pflegedirektion und als Direktoriumsmitglied hat sie den Arbeitsplatz Krankenhaus aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt.
Myriam Weis hat in den vergangenen Wochen viele letzte Male erlebt: die letzte Chefarztsitzung, die letzte Stationsleitersitzung, die letzte Aufsichtsratssitzung, den letzten Einführungstag für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und immer wieder spricht sie mit Kolleginnen und Kollegen über Vorhaben, die bald umgesetzt werden sollen. „Dann merke ich plötzlich: Wenn es so weit ist, sitze ich gar nicht mehr mit am Tisch.“
Zum ersten Mal „Altersteilzeit“
Gleichzeitig erlebt die 63-jährige stellvertretende Pflegedirektorin ein erstes Mal: den ersten Tag ihrer Altersteilzeit. „Der Gedanke ist noch sehr ungewohnt“, sagt sie im Vorfeld. Die Vorstellung, morgens nicht mehr auf den Winterberg zu fahren, sei merkwürdig. „Ich werde mir neue Strukturen schaffen“, sagt sie. Und fügt lachend hinzu: „Vielleicht mache ich auch einfach mal gar nichts.“
Dass es dauerhaft beim Nichtstun bleibt, bezweifelt sie selbst: Myriam Weis braucht Bewegung und Abwechslung, beruflich wie privat. Sie läuft, tanzt, schwimmt und wandert, fährt Ski und reist gerne. Hinzu kommen ein großer Freundeskreis und eine große Familie. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie bereits vor längerer Zeit ihre Schwiegermutter bei sich zur Pflege aufgenommen, woraus sie viel Positives schöpft: „Es ist wertvoll, mit älteren Menschen zu sprechen und sie zu fragen: Wie siehst du das? Sie bringen eine Perspektive mit, die uns sonst manchmal fehlt.“
Moderner Winterberg: Eine Leitungsstelle in Teilzeit hat sie gelockt
Auf den Winterberg kam Myriam Weis 1996. Damals war sie bereits zehn Jahre als „Krankenschwester“ berufstätig und hatte einen achtjährigen Sohn. Teilzeitstellen im Tagdienst waren zu dieser Zeit rar gesät bis nicht vorhanden. Der Winterberg bot damals als eines der ersten Krankenhäuser die Möglichkeit, Leitungsfunktionen in Teilzeit zu übernehmen. Das war für sie ausschlaggebend für den Wechsel „auf den Berg“.
Während ihrer Tätigkeit auf der Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie-Station absolvierte sie die Weiterbildung zur Stationsleitung und übernahm dort dann die stellvertretende Leitung. „Ich wollte Verantwortung übernehmen und etwas bewirken. Und dass dies auf dem Winterberg schon damals in Teilzeit möglich gemacht wurde, finde ich bis heute toll.“
2002 kam der nächste Karriereschritt: Myriam Weis wurde Stationsleitung in der damaligen Strahlenklinik („Station 08“), wo Patienten mit Prostata- oder Gebärmutterkrebs sowie Hirntumoren bestrahlt wurden. Auch die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankungen, bei denen die Patienten danach selbst radioaktiv strahlten, gehörte zum Alltag. Messgeräte und Strahlenschutz bestimmten die Arbeit auf der Station: „Das Dosimeter war unser treuer Begleiter.“ In der Strahlenklinik begegnete sie auch ihrem späteren Mann Joachim Weis, der damals Facharzt in der Abteilung war. 2004 heirateten die beiden.
Plan B muss vorhanden sein
Der Wunsch nach stetiger beruflicher Weiterentwicklung blieb: „Ich brauche immer wieder Herausforderungen. Wenn es nichts Neues mehr zu lernen gibt, werde ich unruhig“, sagt Myriam Weis: „Ich brauche stets einen Plan B und neue Perspektiven, am besten mehrere.“
Wie wichtig ihr Abwechslung ist, zeigt sich nicht nur in ihrer persönlichen Weiterentwicklung, sondern auch auf ihrem Kopf und an ihrer Kleidung. „Ich muss regelmäßig etwas verändern. Ständig immer dasselbe ertrage ich nicht“, sagt sie und lacht. Im Haus ist sie dafür bekannt: „Ich bin experimentierfreudig und mag es farbig, bei meiner Kleidung und bei meinen Haaren.“
„Es gibt ja auch noch etwas außer Pflege“
Die Weiterbildung zur Qualitätsmanagementbeauftragten absolvierte Myriam Weis nebenbei und wechselte nach fünf Jahren als Stationsleitung für drei Jahre ins Qualitätsmanagement, qualifizierte sich parallel weiter zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen. Die Zeit im QM veränderte ihren Blick auf das Krankenhaus: „Die Weiterbildung hat mir geholfen, über den Tellerrand zu schauen.“ Als QM-Beauftragte lernte sie die zahlreichen Schnittstellen und Zusammenhänge im Klinikum kennen. „Erst dort habe ich wirklich verstanden, was ein Krankenhaus im Innersten zusammenhält.“
Zwischen 2010 und 2013 reizte sie der Wechsel in ein anderes Krankenhaus, wo sie eine Leitungsstelle für die Stationen Innere Medizin, Chirurgie und Belegungsmanagement übernahm. „Diese Zeit hat mir sehr gutgetan. Ich hatte zuvor lange auf dem Winterberg gearbeitet und war tief in den Strukturen verwurzelt. In einem kleineren Haus habe ich mit anderen Systemen und neuen Aufgaben noch einmal neu angefangen.“
Rückkehr als stellvertretende Pflegedirektorin
Und der Weg zurück auf den Berg? Bei einer Zufallsbegegnung im Jahr 2013 erfuhr sie von einer freien Stelle in der Pflegedienstleitung auf dem Winterberg. Rund ein Jahr später wurde sie stellvertretende Pflegedirektorin.
Myriam Weis entwickelte gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen, allen voran Pflegedirektor Hagen Kern (seit 2019 im Haus), neue Strukturen. Dazu gehörte zum Beispiel der Aufbau von Bereichsleitungen. „Uns war wichtig, dass Leitung nicht nur vom Schreibtisch aus stattfindet. Die Bereichsleitungen gehen regelmäßig auf die Stationen und sind dadurch näher an den Teams und ihren Themen als wir es sein könnten.“
Die Arbeit am Patientenbett vermisst sie heute dennoch nicht. Auch auf Nachtdienste blickt sie nicht mit Wehmut zurück. „Ich habe Nachtdienste gehasst und nie gut vertragen“, sagt sie offen. Dass mit einer Leitungsfunktion in der Regel keine Nachtdienste mehr verbunden waren, machte diesen beruflichen Weg für sie zusätzlich attraktiv.
„Ich liege selten daneben“
Eines ihrer besonderen Anliegen in den vergangenen Jahren war die Personalgewinnung. Vorstellungsgespräche führte sie gerne selbst. Ihr war wichtig, Bewerberinnen und Bewerbern schnell eine verbindliche Rückmeldung zu geben und bei Bedarf zeitnah ein Probearbeiten zu ermöglichen. So half sie dabei, den Bewerbungsprozess zu beschleunigen und den Winterberg als verlässlichen Arbeitgeber zu positionieren.
Dabei achtete sie nicht nur auf Zeugnisse und Qualifikationen. Es waren häufig die Kleinigkeiten, die für sie den Ausschlag gaben. „Ich beobachte genau und verlasse mich auch auf mein Bauchgefühl“, sagt sie. Über die Jahre habe sie eine gute Menschenkenntnis entwickelt. „Ich liege selten daneben.“
Stillstand passt nicht zu ihr
Nach 45 Berufsjahren beginnt für Myriam Weis nun ein neuer Lebensabschnitt. Ganz ohne Wehmut geht sie nicht. Der Winterberg war für sie Arbeitsplatz, Entwicklungsraum und über viele Jahre ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie hat unterschiedliche Phasen des Klinikums erlebt, neue Strukturen aufgebaut, Mitarbeitende eingestellt und zahlreiche Entscheidungen mitgetragen. Vor allem aber hat sie sich selbst immer wieder verändert.
Sie freut sich auf mehr Zeit für Sport, Reisen, Familie und Freunde. Fest steht: Zu diesem besonderen Lebensabschnitt steht eine weitere optische Veränderung an. Wie sie aussehen wird, verrät Myriam Weis noch nicht. „Es beginnt etwas Neues“, sagt sie. „Und darauf freue ich mich.“












