Vom Bilderbuchstart zur lebensrettenden Operation

Pressemitteilung /

Eine Darmverschlingung stellte das Leben eines Neugeborenen auf den Kopf- bis zur lebensrettenden OP auf dem Winterberg.

Eigentlich war alles wie im Bilderbuch: Eine komplikationslose Geburt am 22. Oktober, ein süßer, properer Säugling mit Gardemaßen (50 cm, 3620g Geburtsgewicht) und entspannte Eltern. „Thilo war wirklich ein Vorzeigebaby, hat gut gegessen, gut geschlafen, wir haben viel gekuschelt, alles war toll“, erzählen Joelle Lambert und Jens Felten-Lambert. Auch am Tag der Entlassung und nach dem U2-Check in der Klinik war „alles tippitoppi“.

Nach Traumstart zuhause der Schock

Nach einem Tag zuhause dann der plötzliche Umschwung: Der wenige Tage alte Thilo erbricht nur noch, behält nichts mehr bei sich. Plötzlich der Schock: Blut in der Pampers. „Wir sind direkt wieder auf den Winterberg gefahren“, berichtet Mama Joelle, noch immer erschrocken von diesem Anblick.

Im Verlauf wurde Thilo zunehmend apathisch und lethargisch, hat sich irgendwann nicht mehr gegen die Untersuchungen, Spritzen und Infusionen gewehrt und alles widerstandslos über sich ergehen lassen. Alle hat beunruhigt, wie schnell es Thilo schlechter ging.

"Was kann der Kleine haben?"

Schnell wurde aus dem Bilderbuch ein Rätselbuch. „Alle fragten sich: Was kann der Kleine haben?“, erinnern sich die Eltern. Nach ersten Untersuchungen waren die Möglichkeiten schon eingegrenzt: Es könne entweder eine Unverträglichkeit sein, ein Magen-Darm-Virus oder eine Erkrankung am Darm.

Unsere Ärztinnen und Ärzte der Kinder- und Jugendklinik beratschlagten sich weiter im Team, scannten Blutwerte, Bildgebung, wälzten Fachliteratur – und Thilo ging es immer schlechter, trotz erster medikamentöser Maßnahmen. Das Team schlug eine Operation vor, um an Ort und Stelle nachzuschauen, was in Thilos Innerem los ist.

Dringender Verdacht: Darmverschlingung

Denn plötzlich stand ein „dringender Verdacht“ im Raum: Die Kinderchirurgen vermuteten eine so genannte „Malrotation mit Dünndarm-Volvulus“. Eine Malrotation ist eine angeborene Fehlentwicklung der Darmdrehung, die sich meist bereits im Mutterleib entwickelt und die zu einer fehlerhaften Lage und einer Darmverdrehung („Volvulus“) führen kann. Das ist lebensbedrohlich. Der Darm wickelt sich dabei um seine Gefäßachse und schnürt die Blutzufuhr („Strangulation“) ab. Eine sofortige Notoperation ist dann erforderlich, um das Absterben des Darms („Ischämie“) zu verhindern.

Schwierige Entscheidung für oder gegen eine OP

Die finale Entscheidung, ob die OP gemacht werden soll, mussten Thilos Eltern treffen. „Wir wurden hierbei sehr gut vom Team der Kinderintensivstation aufgefangen und betreut, denn wir waren wirklich durch, völlig übermüdet, am Rande des Nervenzusammenbruchs“, sagt Mama Joelle. Sie entscheiden sich für die Operation, auch, weil es Thilo immer schlechter ging, und obwohl sie nicht wussten, was bei der Operation entdeckt werden würde und wie sie ausgeht: „Uns war klar, dass alles passieren kann – es hätte auch ein künstlicher Darmausgang werden können.“

Komplexer Eingriff erfolgt minimal-invasiv

Wurde es nicht. Der Eingriff fand laparoskopisch statt, die kleinen Narben sind einige Wochen nach der OP kaum mehr zu sehen. Dass ein solch komplexer Eingriff minimal-invasiv möglich ist, ist im Saarland und der Region eine Besonderheit. „Es zeigt, wie modern unsere chirurgischen Methoden sind“, betont Kinder- und Jugendchirurg Alexander Worm. Auch er war im Verlauf der Diagnostik mitunter ratlos: „Es war kein typisches Bild eines Volvulus, die Symptome waren unspezifisch und haben eigentlich nicht gepasst, auch nach diversen Bildgebungen und Blutbildern zeigte sich kein typischer Verlauf“, berichtet er, „die OP war aus medizinischer Sicht alternativlos. Gut, dass sich die Eltern nach eingehender Beratung und Aufklärung dafür entschieden haben“.

Entscheidung der Eltern retten Thilos Leben

Im Nachhinein betrachtet haben Joelle und Jens ihrem Sohn mit ihrer Entscheidung für die OP und ihrem Vertrauen in die Winterberg-Ärzte vermutlich das Leben gerettet. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, wissen sie beim Nachsorgetermin bei den Kinder- und Jugendchirurgen. Und die OP war rechtzeitig genug: Kein Teil des Darms war abgestorben und musste entfernt werden. Die Verschlingung – und damit das Problem – wurde aufgelöst.

Dankbarkeit für "unser persönliches A-Team"

Die anschließende Zeit auf der Kinderintensivstation wissen die jungen Eltern sehr zu schätzen. „Das Team dort ist unser persönliches A-Team“, sagt Papa Jens. „Super“, fand er, dass Eltern rund um die Uhr bei ihrem Kind sein können. Er und Joelle haben schichtweise an Thilos Bettchen gewacht, „es war immer jemand von uns bei ihm“. Sie glauben fest daran, dass ihm das beim Gesundwerden geholfen hat. Und auch ihnen hat es geholfen, so nah bei ihrem Sohn zu sein. Besonders beeindruckt sind sie heute noch von der Eltern-Visite, die einmal wöchentlich in der Kinder- und Jugendklinik stattfindet: „Wir wurden immer mit einbezogen, egal, wieviel los war. Das Personal war immer fokussiert und hilfsbereit. Bei der Eltern-Visite ging es erstmal nicht um Werte und Diagnosen, sondern wir wurden als Eltern gefragt, wie es unserem Kind geht. Das fanden wir toll.“

Ein Happy End mit einem gesunden Kind

Nach 14 Tagen durfte die kleine Familie nach Hause und kommt künftig – hoffentlich – nur noch zu den vereinbarten Kontrollterminen auf den Winterberg. Und so wird aus dem Rätselbuch am Ende doch nochmal ein Bilderbuch, mit einigen Eselsohren und ein paar zerlesenen Seiten, die eine Geschichte von Angst, Mut und Stärke erzählen – mit einem guten Ende und einem gesunden Kind.

Wir wünschen alles Gute und sagen danke an die Familie, dass ihr ein Kapitel eures Buchs mit uns geteilt habt.

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Papa und Mama mit ihrem Säugling auf dem Arm.
Die Eltern Jens und Joelle sind glücklich, dass es ihrem Thilo wieder gut geht. Sie sind dankbar dafür, dass sie auf dem Winterberg in so guten Händen waren.
Ultraschall bei einem Säugling
Sektionsleiter Alexander Worm schaut bei der Kontrolle nach, ob bei Thilo alles in Ordnung ist.
Eine Ultraschalluntersuchung bei einem Säugling.
Er erklärt den Eltern nochmals genau, was gemacht wurde und dass er zufrieden ist: Alles sieht gut aus!