Plötzliche Lähmungserscheinungen, Sprechstörungen und keine Kraft mehr im Bein: Für Dr. Bernhard Lorenz aus Hüttersdorf hat ein Freitagabend vor dem Fernseher mit seiner Ehefrau eigentlich unspektakulär begonnen – und ist als medizinischer Notfall geendet. Weil die typischen Schlaganfallsymptome sofort erkannt wurden und der 73-Jährige direkt in ein spezialisiertes Schlaganfallzentrum gebracht wurde, konnte ein lebensbedrohlicher Gefäßverschluss rechtzeitig behandelt werden. Heute hat der ehemalige Krankenhaus-Oberarzt eine klare Botschaft: Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute – und die richtige Spezial-Klinik.
Als Dr. Bernhard Lorenz aus Hüttersdorf (Schmelz) an einem Freitagabend gemeinsam mit seiner Frau vor dem Fernseher sitzt, deutet zunächst nichts auf einen medizinischen Notfall hin. Kurz bevor sie zu Bett gehen wollen, bemerkt der 73-Jährige plötzlich eine Schwäche im Bein. Was ihm zunächst wie ein Krampf vorkommt, entwickelt sich innerhalb weniger Augenblicke zu einem lebensbedrohlichen Schlaganfall.
"Wir müssen handeln."
„Ich dachte zuerst, ich hätte nur einen Krampf im Bein. Mein Knie knickte weg und ich hatte keine Kraft mehr“, erinnert sich Lorenz. Um nicht zu stürzen, setzt er sich im Flur auf den Boden. Kurz darauf kann er auch einen Arm nicht mehr bewegen und bemerkt, dass er nicht mehr richtig sprechen kann. Für ihn als ehemaligen Oberarzt der Inneren Medizin und für seine Frau, ebenfalls Internistin, sind die Symptome eindeutig: „Auf einmal war klar: Wir müssen handeln.“
Sie setzen den Notruf 112 ab – eine Notärztin entscheidet, dass er auf den Winterberg gebracht werden soll, das nächstgelegene Neurovaskuläre Zentrum, weil aufgrund der schweren Ausfälle der Verdacht auf einen Verschluss einer Hirnschlagader besteht: Dort wird Dr. Lorenz umgehend im Schockraum der Notaufnahme erstversorgt – und dank eigenem Computertomographen (CT) direkt im Schockraum ist auch schnell die erste Diagnose da: Keine Hirnblutung, dafür aber ein Verschluss eines großen Hirngefäßes durch ein Blutgerinnsel. Im Arztbrief heißt das dann so: „Intrakranieller ACI-Endstreckenverschluss“, also ein schwerwiegender, akuter Verschluss der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) an ihrer Aufzweigungsstelle im Schädel. Dies führt zu einem massiven Blut- und Sauerstoffmangel in großen Teilen des Gehirns und ist ein medizinischer Notfall.
Zeit ist Gehirn - und Lebensqualität
„Unbehandelt kann der Verschluss einer großen Hirnarterie zu schwersten und dauerhaften Einschränkungen führen“, sagt Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Instituts für Radiologie, der den Eingriff gemeinsam mit Oberärztin Dr. Myriam Keller durchgeführt hat.
Bereist 22 Minuten nach Eintreffen und noch im Schockraum erfolgte die Gabe eines Blutgerinnsel-auflösenden Medikaments über die Vene, eine sogenannte systemische Thrombolyse. Unmittelbar danach, noch in der Nacht wurde eine sogenannte mechanische Thrombektomie durchgeführt. Dabei gelang es dem neuroradiologischen Team aus zwei erfahrenen und gut eingespielten Interventionalisten, den Gefäßverschluss in weniger als 20 Minuten mit einem über die Leiste eingeführten Katheter vollständig zu entfernen.
Dankbar und erleichtert
Für den Patienten war die Wirkung unmittelbar spürbar, als er auf der neurologischen Überwachungsstation wach wurde. „Plötzlich konnte ich meinen Arm wieder bewegen, wieder sprechen und auch das Bein hat mir wieder gehorcht“, berichtet Lorenz. Nach der erfolgreichen Akutbehandlung wurde er auf der Stroke Unit überwacht. Bereits zwei Tage später konnte er auf eine Normalstation verlegt werden und nach sechs Tagen nach Hause. Inzwischen fühlt sich der 73-Jährige gut und blickt mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen Tage zurück.
„Für mich ist die wichtigste Erfahrung, dass man bei solchen Symptomen keine Zeit verlieren darf. So schnell wie möglich handeln – das kann entscheidend sein“, sagt Lorenz.
Der Mediziner weiß, wovon er spricht. Bei ihm besteht eine dilatative Herzmuskelerkrankung, die vor einigen Jahren diagnostiziert wurde. Ob diese Erkrankung mit der Entstehung des Blutgerinnsels zusammenhängt, wird derzeit weiter untersucht.
Schnelles Handeln und die richtige Klinik
Besonders bewegt ihn, dass der Schlaganfall nicht nachts und unbemerkt eingetreten ist. „Ich war so froh, dass meine Frau neben mir war und sofort reagiert hat. Das Ganze muss ich erst noch verarbeiten. So ein Ereignis ist schon ein Trauma.“
Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie wichtig das schnelle Erkennen von Schlaganfallsymptomen und die Versorgung in einer spezialisierten Klinik sind. Je früher die Behandlung erfolgt, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu vermeiden.
Dr. Lorenz hat deshalb eine klare Botschaft: „Ich bin unglaublich dankbar, dass mir hier so schnell und professionell geholfen wurde. Und ich kann nur jedem raten: Bei plötzlichen Lähmungen oder Sprachstörungen sofort die 112 anrufen. Nicht warten.“
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Die bundesweite Aufklärungsinitiative „Herzenssache Lebenszeit" macht am Donnerstag, 13. August 2026, von 10 bis 16 Uhr Halt in der Saarbrücker Fußgängerzone (Bahnhofstraße, Höhe Lego).
Der rote Doppeldecker‑Infobus bringt ein Expertenteam aus Neurologie, Kardiologie und Ernährungsmedizin mit. Vor Ort werden individuelle Risikoprofile zu Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes erstellt, inklusive der Messung von Blutdruck und Blutzucker. Ein Ernährungskompetenz-Quiz rundet das Angebot ab.





