Das Klinikum Saarbrücken hat ein neues Interventions-CT der neuesten Generation in Betrieb genommen. Mit dieser Investition erweitert das Institut für Radiologie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Elmar Spüntrup seine diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten noch mehr und verbessert die Rahmenbedingungen für moderne, minimalinvasive Eingriffe. Diese Verfahren sind ein zentraler Bestandteil einer schonenden und zugleich hochpräzisen Patientenversorgung.
Eine Radiologie arbeitet mit allen Fachabteilungen eng zusammen. Während sie einerseits für die behandelnden Ärzte Bilder zur Diagnose erstellt, führt die sogenannte interventionelle Radiologie mithilfe dieser Bildgebung auch minimalinvasive Behandlungen direkt am Patienten durch. Diese minimal-invasiven Eingriffe sind an fast allen Organen des Körpers einschließlich des Hirngewebes und der Nervenbahnen möglich. Erweiterte Blutgefäße, Gefäßmissbildungen und -verschlüsse werden dabei behandelt, aber auch zahlreiche Tumorerkrankungen. Die Expertise und Kompetenz in interventioneller Radiologie wurden in den vergangenen Jahren auf dem Winterberg aufgebaut und stetig weiterentwickelt.
Optimierte räumliche und technische Voraussetzungen
Der neu gestaltete CT-Raum bietet deutlich mehr Platz für das Behandlungsteam, die Anästhesie und das erforderliche Equipment. Das neue CT-System arbeitet besonders dosisarm, das heißt: Es liefert hochauflösende Bilder bei gleichzeitig reduzierter Strahlenbelastung. Für Patientinnen und Patienten ist das ein wichtiger Sicherheitsaspekt – insbesondere bei wiederholten Untersuchungen oder komplexen Therapien.
Zudem verfügt das Gerät über eine präzise Laser-Zielführung zur optimalen Planung des Punktionswegs und wird über eine moderne Tablet-Oberfläche gesteuert. Ein wesentlicher Vorteil ist der erweiterte Abstand zwischen Gantry und Tisch. Die Gantry ist der ringförmige Teil des CT-Geräts, durch den der Patient hindurchfährt und in dem sich Röntgenröhre und Detektoren befinden. Durch den vergrößerten Abstand kann im selben Raum ein C‑Bogen eingesetzt werden – ein mobiles Röntgensystem, das während des Eingriffs Live-Bilder liefert.
Die Kombination aus CT und Durchleuchtung ermöglicht es, Eingriffe zunächst CT-gesteuert zu beginnen und anschließend unter Echtzeitkontrolle fortzuführen. Das erhöht die Sicherheit und Präzision insbesondere bei komplexen Interventionen.
Breites Spektrum minimalinvasiver Therapien
2025 wurden im Klinikum Saarbrücken 412 CT-gesteuerte Interventionen durchgeführt. Dazu zählen:
Schmerztherapien (PRT/Infiltrationen): gezielte Medikamentengabe an Nervenwurzeln und Gelenken
Drainagen: Ableiten entzündlicher Flüssigkeitsansammlungen, z. B. bei Abszessen
Punktionen und Biopsien: Gewebeentnahmen zur Diagnostik
Tumorbehandlungen, darunter:
MWA (Mikrowellenablation) – thermische Zerstörung von Tumorgewebe
RFA (Radiofrequenzablation) – Hitzeverfahren, häufig am Knochen
IRE (irreversible Elektroporation) – nicht-thermisches Verfahren, geeignet für Tumoren in der Nähe empfindlicher Strukturen
Durch die Kombination aus CT und C‑Bogen können zudem Kombinationstherapien wie die Elektrochemotherapie durchgeführt werden. Dabei wird der Tumor zunächst mittels Elektroporation behandelt, bevor ein Chemotherapeutikum gezielt über einen Katheter in die Leberarterie eingebracht wird.
Mehrwert für die Patientinnen und Patienten
Mit dem neuen Interventions-CT verbessern wir die Versorgung in mehreren Bereichen:
höhere Präzision bei der Platzierung von Nadeln und Sonden
größere Sicherheit durch die Kombination aus CT und Live-Durchleuchtung
schonendere Behandlungsverfahren mit kürzerer Erholungszeit
erweiterte therapeutische Möglichkeiten, insbesondere in der Onkologie
effizientere Abläufe durch optimierte Raum- und Prozessgestaltung
In einem Umfeld mit jährlich über 17.000 CT-Untersuchungen und 54.000 Notfallpatienten ist diese Erweiterung ein wichtiger Beitrag zur Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, modernen und verlässlichen Patientenversorgung im Saarland und darüber hinaus.



