Als aus einer vermeintlich gutartigen Veränderung ein großer Lebertumor wurde, änderte sich für Dieter Wittmann innerhalb weniger Monate alles. Im Klinikum Saarbrücken unterzog sich der 72-Jährige einer komplexen Leberoperation in der Klinik für Allgemein- & Viszeralchirurgie, Chirurgische Onkologie, bei der etwas mehr als die Hälfte des Organs entfernt wurde. Heute ist er – trotz vieler Unwägbarkeiten – vor allem dankbar für die neue Perspektive, die ihm die Behandlung eröffnet hat.
Aus einem eigentlich simplen Kontrolltermin wurde für Dieter Wittmann ein schwerer Einschnitt. Der 72-Jährige blickt heute, wenige Wochen nach einer großen Leberoperation im Leberzentrum des Klinikums Saarbrücken, auf eine harte Zeit zurück, aber mit Dankbarkeit und neuen Plänen nach vorn.
Der aktive Saarbrücker, der beruflich viel ausprobiert und erlebt hat, hatte bereits 2021 erstmals von einer Veränderung in der Leber erfahren. Damals zeigte eine MRT-Untersuchung eine rund zwei Zentimeter große Läsion, die aber bislang als gutartig eingeordnet wurde. In den folgenden Jahren wurde dieser Befund regelmäßig kontrolliert. Die Läsion wurde kontinuierlich größer, zuletzt eine „bis zu acht Zentimeter große Raumforderung mit zusätzlichen Satellitenherden“, wie es im Arztbrief heißt.
Aus „gutartig“ wurde eine der häufigsten Formen von Leberkrebs
Über seinen behandelnden Arzt und weil er durch die lokale Presse über die robotische Chirurgie auf dem Winterberg und die Leberspezialisten aufmerksam wurde, gelangten die Befunde erst zur Gastroenterologie und dann zur Leberchirurgie des Klinikums Saarbrücken. Nachdem intern erneute Bilder angefertigt wurden, war keine Rede mehr von „gutartig“: Es erhärtete sich der Verdacht auf ein so genanntes „Hepatozelluläres Karzinom“ (HCC) in einer Leberfibrose (Vorstufe einer Zirrhose), die häufigste Form von Leberkrebs. Die Experten der interdisziplinären Tumorkonferenz empfahlen: operative Entfernung des Tumors mit kurativer, also heilender, Zielsetzung.
Anfang Juli erfolgte schließlich die Operation durch das Team um Chefarzt Dr. Dr. Gregor Stavrou und Oberärztin Dr. Rizky Widyaningsih – als robotisch assistierte „Resektion der Lebersegmente 4b, 5, 6 und 7 sowie eines großen Teils von Segment 8 unter Erhalt einer maximalen Restleberreserve“. Übersetzt: Etwas mehr als die Hälfte des Organs wurde entfernt. Moderne Fluoreszenztechnik unterstützte die Chirurgen dabei, die Tumorgrenzen während des Eingriffs präzise darzustellen. Die Operation verlief komplikationslos.
Bisher Domäne der offenen Chirurgie
„Solche komplexen Operationen waren bisher eine Domäne der offenen Chirurgie mit großem Schnitt“, erklärt Dr. Dr. Stavrou, „wir können dank unseres DaVinci-Systems und unserer Erfahrung diese Operationen auch minimal-invasiv durchführen – dies ist nachweislich gerade beim HCC für das Ergebnis auch auf lange Sicht wesentlich besser.“ Und weiter: „Solche Operationen sind auf Grund des dem Tumor zugrundeliegenden Schadens des Lebergewebes immer heikel – die 10-fache Vergrößerung der Roboterkamera ermöglicht eine hoch präzise und genaue Operation, die so vorher nicht möglich war.“
Die endgültige Gewissheit brachte die feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes – ein „multifokales Leberzellkarzinom“, das vollständig entfernt werden konnte. Die Nachsorge wird engmaschig sein und die Restleber regelmäßig per MRT kontrolliert werden.
Chirurgischer Erfolg – aber trotzdem ein beschwerlicher Weg für den Patienten
Was für die Ärzte ein chirurgischer Erfolg war, bedeutete für den Patienten dennoch einen langen und kräftezehrenden Weg zurück. „Ich hätte gedacht, ich stecke das alles besser weg“, sagt Wittmann. Nach dem Eingriff machten ihm Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen zu schaffen, was eine intensive Nachbehandlung erforderlich machte. Zudem erschwerten bereits bestehende chronische Schmerzsyndrome die Erholung. „Ich war voller Wasser. Das hat mich unglaublich viel Kraft gekostet.“
Nach einer kurzen Zeit zuhause muss er deshalb wieder zurück ins Krankenhaus. Mehrere Wochen lang kämpft sich der 72-Jährige Schritt für Schritt zurück. Physiotherapie, Ernährungsberatung, Schmerztherapie und die Unterstützung vieler weiterer Berufsgruppen auf dem Winterberg gehörten zu seinem Alltag im Krankenhaus. Besonders beeindruckt hat ihn dabei das Zusammenspiel der Beteiligten. „Das war eine Spitzenleistung von allen, von den Chirurgen, aber auch von allen anderen, mit denen ich zu tun hatte.“
„Diese Chance habe ich jetzt bekommen.“
Für Wittmann ist das alles, trotz der vielen Rückschläge und Anstrengungen, ein Geschenk. „Das muss man sich mal vorstellen: Die Leber ist das einzige Organ, das nachwachsen kann. Diese Chance habe ich jetzt von allen hier bekommen – und dafür bin ich dankbar.“
Heute konzentriert er sich auf seine Genesung. Die Kräfte kehren langsam zurück, die Zukunft hat wieder Platz in seinen Gedanken. Und es gibt noch einen Traum, den er sich erfüllen möchte. „Ich möchte unheimlich gerne an den Titicacasee nach Bolivien reisen“, sagt er, auch, wenn er sich aktuell noch zu schwach fühlt, der Gedanke daran macht ihn stark.
Leberzentrum auf dem Winterberg
Das Leberzentrum des Klinikums Saarbrücken ist ein von der DGAV anerkanntes Kompetenzzentrum für chirurgische Erkrankungen der Leber.
Mit einem abteilungsübergreifenden Team wird eine auf den Patienten zugeschnittene persönliche Behandlung geplant. Die Vorstellung ist mit festem Termin in der Sprechstunde von Chefarzt Dr. Dr. Gregor Stavrou möglich. Hier liegt der Schwerpunkt auf Leber- und Gallenwegserkrankungen. Auch eine Zweitmeinung ist möglich. Bringen Sie dazu bitte alle Befunde und Röntgenaufnahmen mit.
Eine spezialisierte und abteilungsübergreifende Behandlung hat vor allem den Vorteil, dass für jeden einzelnen Patienten individuell geplant wird, in Abhängigkeit des vorliegenden Krankheitsbildes.
Zumeist handelt es sich um (bösartige) Tumoren in der Leber oder ihre Metastasen. Viele Patienten erhalten – meist von nicht in der Leberchirurgie erfahrenen Medizinern – die Information, dass ihre Erkrankung „nicht chirurgisch angehbar“ sei. In einem Leberzentrum mit allen modernen diagnostischen, interventionellen, onkologischen und chirurgischen Möglichkeiten entspricht dies oft nicht den Tatsachen.





