Ein Monat ohne Alkohol – klingt simpel, wirkt stark. Der „Dry January“ zeigt, wie gut ein Neustart dem Körper tut. Dr. Klaus Radecke, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Spezialist für Lebererkrankungen, erklärt, warum die Leber dankbar für jede Pause ist und wie das „Wunderorgan“ von dem Verzicht profitiert.
Immer mehr Menschen machen mit beim „Dry January“, dem alkoholfreien Januar. Die Idee entstand bereits 1942 in Finnland unter dem Namen „Sober January“. In Großbritannien wurde sie 2014 zum „Dry January“ weiterentwickelt – heute ist es ein weltweiter Trend. Die Aufgabe klingt einfach: 31 Tage ohne Alkohol. Doch der Effekt auf den Körper kann erstaunlich sein.
Warum Alkoholverzicht so wichtig ist
Wir wissen es alle: Alkohol hat weitreichende gesundheitliche Folgen. Er erhöht das Risiko für Leber-, Nerven und Herz‑Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten, beeinträchtigt den Schlaf, wirkt sich negativ auf die Haut aus und kann seelische Belastungen verstärken.
Was oft unterschätzt wird: Alkohol schleicht sich schnell in den Alltag ein – ein Glas zum Feierabend, ein Drink beim Kochen, ein Aperitif am Wochenende. Routinen, die selten hinterfragt werden.
„Alkohol ist ein Zellgift“ – klare Worte aus der Medizin
„Alkohol ist ein Zellgift. Der Konsum verursacht Schäden an nahezu allen Organsystemen und erhöht signifikant das Risiko, an Krebs zu erkranken“, sagt Dr. Klaus Radecke, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I im Klinikum Saarbrücken und Spezialist für Lebererkrankungen. Zudem sei Alkohol ein zentraler Auslöser psychischer Störungen und Suchterkrankungen – mit gravierenden gesundheitlichen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen.
Was passiert im Körper?
Alkohol ist wasser- und fettlöslich und gelangt rasch über die Dünndarmschleimhaut ins Blut. Von dort verteilt er sich im gesamten Körper und beeinträchtigt Organe wie Herz, Gehirn und Muskulatur. Über 90 Prozent des Alkohols werden in der Leber abgebaut – sie trägt daher die Hauptlast der Schädigungen. Doch auch andere Organe und Nervenzellen können dauerhaft beeinträchtigt werden.
Dr. Radecke kritisiert, dass Alkoholkonsum gesellschaftlich oft verharmlost wird: „Gerade beim Schutz von Jugendlichen vor alkoholbedingten körperlichen und psychischen Schäden wird das Problem noch immer unterschätzt.“
Kann ein „Dry January“ überhaupt helfen?
„Grundsätzlich gilt: Je weniger Alkohol, desto besser – und je länger der Verzicht, desto größer der gesundheitliche Nutzen“, so Dr. Radecke.
Die Leber sei ein „Wunderorgan“, das sich regenerieren könne. Als Internist und Hepatologe behandelt er viele Patientinnen und Patienten mit schweren Lebererkrankungen. Schon wenige Wochen ohne Alkohol können die Leberwerte deutlich verbessern und eine Fettleber zurückbilden. Selbst bei fortgeschrittener Leberschädigung könne konsequenter Verzicht die Leberfunktion stabilisieren: „Schon nach kurzer Zeit verbessern sich die Leberwerte deutlich.“
"Alkoholkonsum ohne Risiko gibt es nicht"
„Ein alkoholfreier Monat ist eine hervorragende Gelegenheit, das eigene Trinkverhalten zu reflektieren“, betont Dr. Radecke. Viele Menschen stellten fest, dass sie sich ohne die tägliche Dosis Alkohol fitter, ausgeglichener und leistungsfähiger fühlen. „Ich selbst verzichte übrigens weitgehend komplett auf Alkohol“, verrät der Chefarzt.
Mehr denn je gilt aus seiner Sicht: "Alkoholkonsum ohne Risiko gibt es nicht, umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang." Konsequenter Verzicht verbessere nachweislich Organfunktionen, Schlafqualität und mentale Gesundheit. Konsequenter Verzicht verbessere nachweislich Organfunktionen, Schlafqualität und mentale Gesundheit. "Von daher ist meine Meinung klar: Es dürfte ruhig öfter einen Dry January geben“, sagt Dr. Radecke.
Unterstützung bei Suchtproblemen
Wer bei sich selbst eine mögliche Abhängigkeit vermutet, sollte frühzeitig Hilfe suchen. Unterstützung bieten viele Organisation an, unter anderem das Gesundheitsamt des Regionalverbandes Saarbrücken unter 0681 506‑5338 oder 0681 506‑5355.




