Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat vorgeschlagen, Gewalttaten gegen Beschäftigte in Krankenhäusern künftig in Schnellverfahren zu ahnden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) begrüßt den Vorstoß. Auch das Klinikum Saarbrücken unterstützt eine schnellere und konsequente strafrechtliche Verfolgung von Übergriffen auf Krankenhauspersonal. „Es ist ein wichtiges Signal“, betont Dr. Christian Braun, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums, und Vorstandsvorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG).
Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe dürfen nicht als Teil des Klinikalltags hingenommen werden. Schnellverfahren können dazu beitragen, den zeitlichen Abstand zwischen einer Tat und ihrer strafrechtlichen Ahndung zu verkürzen. „Es ist perfide, wenn in Notfallaufnahmen, wo es um Leben und Tod geht, Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger angegriffen werden. Da muss der Staat durchgreifen“, hatte der Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann in einem Interview gesagt (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Interview vom 23. August 2026). Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft betont in ihrer Pressemitteilung vom 24. August 2026, dass Übergriffe spürbare Konsequenzen haben müssen. Langwierige oder ergebnislose Verfahren dürften die Betroffenen nicht zusätzlich belasten.
Neben einer konsequenten Reaktion auf Gewalt braucht es gleichzeitig verlässliche Versorgungsstrukturen. Sie müssen Patientinnen und Patienten gezielt in das passende medizinische Angebot führen und die Notaufnahmen entlasten.
Öffentlich auf zunehmende Gewalt aufmerksam gemacht
Auch das Klinikum Saarbrücken hat in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich auf zunehmende Gewalt und einen mitunter respektlosen Umgang gegenüber Krankenhauspersonal aufmerksam gemacht, zum Beispiel im Deutschlandfunk oder im Saarländischen Rundfunk und der Saarbrücker Zeitung. Dabei berichtete das Klinikum insbesondere aus der Zentralen Notaufnahme über verbale Angriffe, Bedrohungen und körperliche Übergriffe. Intern finden regelmäßig Schulungen und Weiterbildungen zum Umgang mit aggressivem oder gewalttätigem Verhalten statt. Dazu zählt derzeit das gemeinsame Pilotprojekt des Klinikums und der Techniker Krankenkasse „Respektzone Winterberg: Gemeinsam gewaltfrei“. Im Rahmen des Projekts wird unter anderem ein strukturiertes Meldewesen entwickelt. Zudem erhalten Mitarbeitende konkrete Hilfestellungen, um kritische Situationen frühzeitig zu erkennen, angemessen zu reagieren und Unterstützung anzufordern. In der Zentralen Notaufnahme stehen dafür auch technische Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen Beschäftigte unauffällig Unterstützung alarmieren können.
Zahl der Notfallpatientinnen und Notfallpatienten steigt um 42 Prozent
In der Zentralen Notaufnahme und der Kindernotaufnahme auf dem Winterberg werden inzwischen rund 55.000 Notfallpatientinnen und Notfallpatienten pro Jahr versorgt, das sind 42 Prozent mehr als 2020. Die steigenden Fallzahlen zeigen, wie stark die Notfallversorgung inzwischen beansprucht wird. Patientinnen und Patienten kommen mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen und Verletzungen in die Zentrale Notaufnahme. Zu Beginn wird deshalb eingeschätzt, wie dringend eine medizinische Behandlung erforderlich ist („Manchester-Triage-System“). Schwer oder lebensbedrohlich erkrankte Menschen müssen zuerst behandelt werden. Für Patientinnen und Patienten mit weniger dringlichen Beschwerden, die aus medizinischer Sicht nicht die Infrastruktur eines Krankenhauses benötigen, können dadurch Wartezeiten entstehen.
Dass Wartezeiten für Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen belastend sein können, ist dem Team auf dem Winterberg bewusst: „Das rechtfertigt jedoch keine Beschimpfungen, Bedrohungen oder körperlichen Angriffe“, sagt Dr. Christian Braun, Geschäftsführer, Ärztlicher Direktor und Leiter der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Saarbrücken sowie Vorstandsvorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG).
Dr. Christian Braun: Schnellverfahren sind ein wichtiges Signal
„Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann, Gewalttaten gegen Krankenhauspersonal in Schnellverfahren zu ahnden, ist deshalb ein wichtiges Signal. Wer unsere Beschäftigten beleidigt, bedroht oder körperlich angreift, muss mit einer schnellen und konsequenten strafrechtlichen Reaktion rechnen. Gleichzeitig müssen wir die strukturellen Rahmenbedingungen der zunehmenden Belastung in den Blick nehmen. Auf dem Winterberg versorgen wir inzwischen rund 55.000 Notfallpatientinnen und Notfallpatienten im Jahr. Wenn Bereitschaftsdienstangebote gebündelt oder Standorte geschlossen werden, müssen die Auswirkungen auf die verbleibenden Praxen und die Notaufnahmen berücksichtigt werden. Wir brauchen eine verlässliche Patientensteuerung und ausreichend leistungsfähige Strukturen. Hohe Belastungen dürfen Gewalt unter keinen Umständen relativieren“, sagt Dr. Christian Braun.



