Wenn andere Wege wegfallen, bleibt meist nur die Notaufnahme

Pressemitteilung /

Die Entwicklung der Fallzahlen auf dem Winterberg zeigt deutlich, wie groß der Druck inzwischen ist.

Die Notfallversorgung steht vielerorts unter wachsendem Druck. Wo ambulante Angebote ausgedünnt werden, Bereitschaftsdienste eingeschränkt sind und Patientinnen und Patienten außerhalb regulärer Praxiszeiten kaum verlässliche Alternativen finden, wird die Notaufnahme immer häufiger zur ersten und oft letzten Anlaufstelle. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser – gerade in einem Bereich, der zur unverzichtbaren Daseinsvorsorge gehört. Über diese Herausforderung haben sich der Geschäftsführer und Ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Christian Braun, und Céline Mildau, Oberärztin in der Zentralen Notaufnahme, kürzlich mit dem Saarländischen Rundfunk unterhalten. Hier geht es direkt zum Beitrag.

55.000 Notfallpatienten kommen jährlich in die ZNA auf dem Winterberg

Wie stark sich diese Entwicklung bereits in der Versorgung zeigt, machen die Fallzahlen deutlich: In der Zentralen Notaufnahme und der Kindernotaufnahme stieg die Zahl der versorgten Notfallpatientinnen und -patienten aller Altersklassen von rund 38.500 im Jahr 2020 auf voraussichtlich rund 55.000 im Jahr 2026. Besonders deutlich ist der Anstieg im ambulanten Bereich mit einem Plus von rund 60 Prozent. Auch stationär werden heute deutlich mehr Patientinnen und Patienten versorgt als noch vor wenigen Jahren.

Besonders eindrücklich ist der Blick auf die allgemeinmedizinisch versorgten Notfallpatientinnen und -patienten – also auf genau die Fälle, die häufig eher dem hausärztlichen oder kassenärztlichen Bereich zugeordnet werden. Im ambulanten Bereich beträgt der Zuwachs hier knapp 90 Prozent (innerhalb von sechs Jahren). Diese Entwicklung zeigt: Notaufnahmen übernehmen zunehmend Aufgaben, für die es außerhalb des Krankenhauses immer seltener verlässliche und schnell erreichbare Versorgungsangebote gibt.

Notaufnahmen tragen die Folgen struktureller Defizite

Damit wächst nicht nur die Zahl der Patientinnen und Patienten, sondern auch die Belastung für die Beschäftigten in den Notaufnahmen. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte tragen die Folgen struktureller Defizite Tag für Tag unmittelbar – unter hohem Zeitdruck, mit knappen Ressourcen und in einem System, das ihnen immer mehr abverlangt. Ohne tragfähige ambulante Strukturen, bessere Steuerung der Patienten und eine stärkere Vernetzung wird es für alle immer schwieriger, diese Versorgung dauerhaft auf hohem Niveau sicherzustellen.

Die Notfallversorgung ist und bleibt ein verlässlicher Anker der medizinischen Versorgung. Damit das auch in Zukunft so bleibt, braucht es klare Entscheidungen, funktionierende Alternativen und Rahmenbedingungen, die den realen Anforderungen in Klinik und Versorgungspraxis gerecht werden.

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Der Eingang der Notaufnahme bei Nacht
Hier brennt 24/7 Licht: Patientinnen und Patienten suchen die Notaufnahmen auf, wenn sie keine anderen Alternativen sehen.
Das Foto zeigt viele Krankentransportwagen vor dem Eingang der Notaufnahme.
Zu den Patienten, die über den Rettungsdienst eingeliefert werden, kommen diejenigen dazu, die selbstständig in die Notaufnahme gehen.
Das Foto zeigt den Eingang der Notaufnahme auf dem Winterberg, zwei Rettungswagen stehen davor.