Innovatives Projekt: Robotik trifft Sterilgutaufbereitung

Pressemitteilung /

Team Winterberg testet als Pilot-Partner, wie Robotik und KI Mitarbeitende künftig entlasten können.

Unser Klinikum ist erneut Teil eines spannenden Innovationsprojekts, das zeigt, wie moderne Technologie die Arbeit in sensiblen Klinikbereichen künftig unterstützen kann. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, und künstliche Intelligenz Mitarbeitende in der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) entlasten?

Cobots sind Roboter, die für die direkte und sichere Zusammenarbeit mit Menschen entwickelt wurden. Sie können unterstützende Aufgaben übernehmen, ohne dass der Mensch im Arbeitsprozess ersetzt wird. Ziel des Projekts ist es, Mitarbeitende bei sich wiederholenden, ergonomisch belastenden und infektionsrelevanten Tätigkeiten zu unterstützen und gleichzeitig die hohen Anforderungen an Sicherheit, Hygiene und Prozessqualität zu berücksichtigen.

Team Winterberg ist Pilot-Partner

Die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte gehört zu den zentralen Bereichen eines Krankenhauses. Hier werden chirurgische Instrumente gereinigt, desinfiziert, geprüft und für den erneuten Einsatz vorbereitet. Gleichzeitig ist die Arbeit in diesem Bereich geprägt von hohen hygienischen Anforderungen, wiederkehrenden Abläufen und körperlich belastenden Tätigkeiten.

Das Projekt basiert auf dem sogenannten „RODI-Piloten“. RODI steht für „Robot supported disinfection of medical devices“ und wird im Rahmen des EU-geförderten Horizon-Europe-Projekts JARVIS entwickelt. Die Uniklinik RWTH Aachen und der Technologiepartner MRK-Systeme GmbH untersuchen dabei, wie eine robotergestützte Vorbehandlung kontaminierter Instrumente in der Praxis umgesetzt werden kann.

Als Pilot-Partner bringt das Team Winterberg die praktische Erfahrung aus der täglichen Sterilgutaufbereitung ein. Entscheidend ist, dass eine solche Roboterzelle nicht nur technisch funktioniert, sondern sich sinnvoll in die realen Abläufe einer Klinik integrieren lässt. Getestet wird insbesondere der Einsatz auf der sogenannten unreinen Seite der AEMP, also dort, wo benutzte Instrumente nach dem Einsatz im OP ankommen und für die weitere Aufbereitung vorbereitet werden.

Entlastung steht im Mittelpunkt

Der innovative Ansatz: Robotik und künstliche Intelligenz sollen das Fachpersonal gezielt unterstützen. Im Mittelpunkt steht ausdrücklich nicht der Ersatz des Menschen, sondern die Entlastung der Mitarbeitenden bei Aufgaben, die besonders monoton, ergonomisch anspruchsvoll oder infektionsrelevant sind. Genau deshalb eignet sich dieser Bereich für den Einsatz von Robotik: Er erfüllt die sogenannten vier D’s der Robotik: dirty, dull, dangerous and difficult, also dreckig, eintönig, gefährlich und schwierig.

Technisch setzt das Projekt auf KI-gestützte Objekterkennung und Klassifizierung chirurgischer Instrumente, eine präzise Bestimmung von Greifpunkten sowie die flexible Handhabung ungeordneter Instrumenteneingänge. Auch die sichere Zusammenarbeit von Mensch und Roboter spielt eine zentrale Rolle.

So könnte der Ablauf aussehen

Ein Beispiel: Aus dem Zentral-OP kommt ein benutztes Sieb zurück. Ein Sieb ist eine Zusammenstellung von Instrumenten, die je nach Fachbereich für einen bestimmten Eingriff benötigt werden. Bevor der Roboter zum Einsatz kommt, werden nicht geeignete Bestandteile wie HF-Instrumente und deren Kabel, kleinere Siebkörbe oder Schalen entnommen und separat abgelegt. Anschließend wird das vorbereitete Sieb in die Roboterzelle gestellt. Der Roboter kann das Barcode-Schild selbstständig scannen und die Instrumente aus dem ungeordneten Sieb vereinzeln.

Weitere Funktionen, die im Projekt betrachtet werden, sind das präzise Greifen, das Öffnen von Instrumenten wie Scheren, die Erkennung von Instrumenten sowie der Abgleich mit Packlisten. So kann perspektivisch sichtbar werden, welche Instrumente bereits verteilt wurden, welche fehlen oder welche zusätzlich vorhanden sind.

Zukunft aktiv mitgestalten

„Dass unser Klinikum Pilot-Partner ist, zeigt, dass hier nicht nur über Zukunft gesprochen wird, sondern dass wir sie aktiv mitgestalten. Entscheidend ist für uns, dass neue Technologien praxisnah entwickelt werden und den Menschen im Arbeitsalltag wirklich unterstützen“, sagt Dr. Julia Berger, Leitung Medizin- und Kommunikationstechnik.

„Wenn einzelne Arbeitsschritte in diesem Prozess robotisch unterstützt werden können, entlastet das unser Team genau dort, wo Tätigkeiten körperlich belastend und sehr wiederholungsintensiv sind. Die gewonnene Zeit können unsere Mitarbeitenden für Aufgaben einsetzen, bei denen ihre Erfahrung und fachliche Qualifikation besonders wichtig sind“, sagt Marc Felt, Leitung AEMP.

Tests unter realitätsnahen Bedingungen

Ein wichtiger Schritt ist die Testphase im Klinikum Saarbrücken, zunächst mit sogenannten „Sauber-Tests“ vor Ort in der AEMP. Dabei wird der Ablauf realitätsnah durchgespielt, jedoch mit sauberen beziehungsweise gereinigten und desinfizierten (oder dekontaminierten) Instrumenten. Im Fokus stehen ausgewählte Siebe, deren Abläufe definiert, trainiert und bewertet werden.

Ziel ist es, die Funktion der Roboterzelle im praktischen Umfeld zu prüfen, Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und die nächsten Entwicklungsschritte abzuleiten. Damit leistet das Klinikum einen wichtigen Beitrag dazu, dass eine solche Technologie nicht an der Praxis vorbei entwickelt wird, sondern sich an den Anforderungen des Klinikalltags orientiert.

Für die Testphase stehen zunächst ausgewählte OP-Siebe im Fokus, darunter unter anderem Gefäßsiebe, Grundsiebe, Hand-Fuß-Siebe und Weichteilsiebe.

Technologie entlastet, der Mensch bleibt im Zentrum

Mit der Beteiligung an diesem Projekt unterstreicht unser Klinikum seinen Anspruch, neue Wege in der Verbindung von moderner Technologie, Patientensicherheit und Mitarbeitendenentlastung zu gehen. Die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte ist dabei ein Bereich, in dem Innovation besonders praxisnah sichtbar wird: Technologie unterstützt dort, wo Prozesse anspruchsvoll, körperlich belastend und sicherheitsrelevant sind, während der Mensch weiterhin im Zentrum bleibt.

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Das Foto zeigt den Roboter beim Training: Er übt, Instrumente aus dem OP zu sortieren und zu öffnen.
Robotik und künstliche Intelligenz sollen das Fachpersonal gezielt unterstützen. Im Mittelpunkt steht ausdrücklich nicht der Ersatz des Menschen, sondern die Entlastung der Mitarbeitenden bei Aufgaben, die besonders monoton, ergonomisch anspruchsvoll oder infektionsrelevant sind.
Gemeinsam voran: Marc Felt (Leitung AEMP), Noeline Laurenson (Masterarbeit „Erweiterung und Optimierung einer Roboterzelle zum Vereinzeln von chirurgischen Instrumenten im Medizinbereich“), Alex Ulmer (Leitung Versuchsdurchführung MRK Systeme, Bachelor Mechatronik), Peter Heiligensetzer (Projektleiter & Geschäftsführer MRK Systeme), Petra Schankola (Leitung AEMP) & Dr. Julia Berger, Leitung Medizin- und Kommunikationstechnik, gestalten das gemeinsame Projekt.
Das Foto zeigt den Roboter beim Training. Er übt, OP-Instrumente zu sortieren und zu öffnen.
Technisch setzt das Projekt auf KI-gestützte Objekterkennung und Klassifizierung chirurgischer Instrumente, eine präzise Bestimmung von Greifpunkten sowie die flexible Handhabung ungeordneter Instrumenteneingänge.