Moderne Radiologie: Spurensucher, Ursachenforscher & Problemlöser

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Wie ein hochspezialisiertes Fach Diagnostik, Therapie & klinische Verantwortung vereint.

Radiologie ist heute weit mehr als das Erkennen von Krankheiten auf Bildern. Sie behandelt auch – minimalinvasiv, präzise und oft lebensrettend. Unter bildgebender Kontrolle können Radiologinnen und Radiologen Gefäße wieder öffnen, Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernen, Aneurysmen sichern oder Tumorgewebe gezielt zerstören. Besonders die Ablation – ein Verfahren, bei dem Tumorgewebe durch Hitze oder Mikrowellen punktgenau „verödet“ wird – zeigt, wie therapeutisch Radiologie inzwischen arbeitet. Auch Medikamente können über feinste Katheter direkt an Tumoren gebracht werden, wo sie stärker wirken als im ganzen Körper. Radiologie ist damit ein klinisches Fach, das Diagnostik und Therapie verbindet und Patienten aktiv durch ihren Behandlungsweg begleitet.

„Radiologen sitzen im Dunkeln, schauen den ganzen Tag Röntgenbilder an und haben keinen Patientenkontakt.“ Dieses Bild hält sich hartnäckig. Doch wer an einem gewöhnlichen Tag die Radiologie auf dem Winterberg unter die Lupe nimmt, erlebt eine andere Realität: Ärztinnen und Ärzte, die im Tumorboard Therapieentscheidungen mittragen, die nachts Schlaganfälle behandeln und die mit millimetergenauen Eingriffen Tumorgewebe zerstören. Die Radiologie ist weit entfernt von „ohne Patientenkontakt im Dunkeln sitzen“ – sie ist diagnostisches Zentrum, therapeutischer Motor und klinisches Bindeglied zugleich.

Ein besonderer Meilenstein: Kürzlich hat das Radiologie-Team den 5.000. Eingriff zur akuten Behandlung oder zur Vorbeugung eines Schlaganfalls erfolgreich durchgeführt.

Minimal-invasive Eingriffe unter bildgebender Kontrolle

Aber kaum einem ist bewusst, dass die Radiologie nicht nur diagnostisch arbeitet, sondern auch interveniert: Das Wort „Intervention“ ist ein lateinischer Begriff (intervenire = sich einschalten, dazwischentreten) und bezeichnet allgemein ein geplantes, gezieltes Eingreifen, um eine Störung zu beheben, einen Prozess zu beeinflussen oder eine Erkrankung zu verhindern oder zu behandeln. Die „interventionelle Radiologie“ ist ein spezieller medizinischer Fachbereich, der minimal-invasive Eingriffe unter bildgebender Kontrolle durchführt. Dabei wird ein Katheter oder ein anderes Instrument über einen kleinen Zugang (z.B. in einer Leisten- oder Arm-Arterie oder aber über einen direkten Punktionsweg über der Hautoberfläche) unter Einsatz von Röntgendurchleuchtung, Ultraschall, CT oder MRT präzise zum Zielgebiet geführt.

Klinisches Fach mit direktem Einfluss auf den Behandlungserfolg

Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Instituts für Radiologie im Klinikum Saarbrücken, beschreibt es klar: „Wir sind nicht nur dabei – wir behandeln.“ Denn oft sei die radiologische Intervention der erste therapeutische Schritt und oftmals auch die einzige Behandlungsmöglichkeit.

Die Radiologie auf dem Winterberg arbeitet mit allen modernen bildgebenden Verfahren – von Röntgen über CT und MRT bis zur Angiographie und Neuroradiologie. Sie deckt das gesamte Spektrum ab, inklusive der pädiatrischen Diagnostik. Die Dimensionen sprechen Bände: 2024 wurden rund 30 Millionen Bilder befundet. 2018 waren es „nur“ 17 Millionen (+76%). Das Klinikum zählt damit zu den führenden Klinikstandorten für CT- und MRT-Diagnostik im Saarland.

Radiologen arbeiten „wie Kraken“

Die Radiologie ist dabei kein isolierter Dienstleister. Sie ist eng in die klinischen Abläufe eingebunden, sitzt in klinischen Konferenzen wie Gefäßkonferenzen und Tumorboards, in denen einzelne Fälle und deren Behandlungsoptionen besprochen werden, begleitet Therapieentscheidungen und liefert die Grundlage für nahezu jede medizinische Fachrichtung. Die Radiologinnen und Radiologen arbeiten „wie Kraken“, wie Prof. Spüntrup es formuliert – sie suchen und sammeln alle verfügbaren Informationen zusammen, um ein vollständiges Bild zu erzeugen, das zur klinischen Situation des Patienten passt.

Therapie statt nur Bildgebung: Die Radiologie als minimalinvasiver Behandler

Viele Menschen glauben, Radiologie sei lediglich unterstützend tätig. Tatsächlich ist sie häufig der erste therapeutische Schritt – präzise, minimalinvasiv und oft lebensrettend. Die interventionelle Radiologie umfasst sowohl Notfalleingriffe als auch planbare, elektive Verfahren. Im Notfallbereich gehören dazu unter anderem Thrombektomien bei Schlaganfällen, das Coiling von Aneurysmen, die Behandlung von Gefäßmalformationen oder die Versorgung großer Gefäßverschlüsse. Diese Eingriffe erfordern höchste Expertise und sind nur in Kliniken möglich, die über die entsprechende interventionelle und neuroradiologische Kompetenz verfügen.

Tumorbehandlungen auch Teil des Portfolios

Auch im elektiven onkologischen Bereich spielt die Radiologie eine zentrale Rolle. Bei Tumorerkrankungen können Medikamente über die Gefäße direkt an den Tumor gebracht werden, wo sie lokal stärker wirken. Wenn ein Tumor – etwa ein Leberzellkarzinom – nicht operabel ist, kommen Ablationen zum Einsatz. Dabei wird Tumorgewebe unter bildgebender Kontrolle (in der Regel unter CT-Kontrolle) gezielt erhitzt oder mit Mikrowellen zerstört, sodass es sich zurückbildet. Dieses Verfahren ist minimalinvasiv und ermöglicht eine Behandlung, ohne dass eine große Operation notwendig ist. Insgesamt werden jährlich bis zu 500 CT-gesteuerte Eingriffe durchgeführt, darunter rund 50 Tumor-Ablationen und ca. 100 Probenentnahmen zur Diagnosesicherung. Das zeigt, wie stark der therapeutische Anteil der Radiologie an der Patientenversorgung ist.

Arterielle Gefäße und mehr: Radiologie als präziser Problemlöser im Körper

Die Radiologie übernimmt zudem therapeutische Eingriffe an Gefäßen, etwa, wenn Halsarterien, Nierenarterien oder Darmarterien verengt sind oder bei der sogenannten Schaufenstererkrankung, einer Durchblutungsstörung der Becken- und Beinarterien, die Schmerzen beim Gehen verursacht. Auch Eingriffe an den Venen wie eine Wiedereröffnung nach einer Thrombose werden durchgeführt. Hinzukommen verschiedene Gefäßmalformationen (anlagebedingte Gefäßerkrankungen mit Kurzschlussverbindungen zwischen Arterien und Venen). Je nach Krankheitsbild arbeitet die Radiologie dabei eng mit den anderen klinischen Fachabteilungen des Hauses zusammen – ein Beispiel dafür, wie selbstverständlich sie in die verschiedenen Behandlungspfade des Klinikums eingebunden ist.

Ein Team, das rund um die Uhr einsatzbereit ist – vor allem bei Notfällen

Wenn nachts um zwei Uhr ein Schlaganfallpatient eingeliefert wird, zählt jede Minute. Dann entscheidet die Radiologie, ob eine Thrombektomie möglich ist – ein Eingriff, bei dem ein Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernt wird und auf dem Winterberg bis zu 200 Mal pro Jahr durchgeführt wird. Mittlerweile wurden bereits 2000 Menschen in einer akuten Notsituation bei großem Schlaganfall schnell und hochspezialisiert auf dem Winterberg mit einer Thrombektomie behandelt.

Anderseits kann die interventionelle Radiologie akute lebensbedrohliche Blutungen durch Kathetereingriffe im gesamten Körper schonend und rasch stillen oder Eiteransammlungen über einen kleinen Schlauch, welcher über die Haut ausgeleitet wird, entfernen. Solche Situationen zeigen, wie unmittelbar radiologische Expertise auch in der Akutsituation über den Verlauf einer Erkrankung entscheidet.

Eine erfahrene Radiologin oder ein erfahrener Radiologe ist rund um die Uhr vor Ort, dazu sind zwei interventionserfahrene Oberärzte im Rufdienst. Somit ist das gesamte diagnostische und interventionelle Leistungsspektrum rund um die Uhr verfügbar. Unterstützt werden die Ärzte von Medizinisch-Technischen Radiologieassistentinnen und -assistenten (MTRs), die den Betrieb in allen Bereichen sicherstellen. Besonders bemerkenswert ist die hohe Belastung im Notfallbereich: 42 Prozent aller CT-Untersuchungen finden außerhalb der Routinezeit statt, also abends oder nachts. Das unterstreicht die herausragende Rolle des Winterberg als Akutkrankenhaus und zeigt den starken Anteil der Radiologie in diesem Konzept.

Qualität, die sichtbar ist – und zertifiziert

Die Radiologie auf dem Winterberg ist mehrfach ausgezeichnet. Sie verfügt über das DeGIR-Zertifikat für interventionelle Radiologie und wird regelmäßig in der FOCUS-Liste geführt. Im Ärzteblatt erscheinen regelmäßig wissenschaftliche Beiträge aus dem Institut für Radiologie. Auch überregional wird die Expertise des Winterbergs nachgefragt – sowohl von anderen Kliniken als auch direkt von Patientinnen und Patienten.

Das alte Bild, Radiologinnen und Radiologen säßen im Dunkeln und hätten keinen Patientenkontakt, passt also längst nicht mehr. Prof. Spüntrup erlebt täglich das Gegenteil: Er und sein Team sprechen mit Patientinnen und Patienten, erklären Verfahren und begleiten Entscheidungen: „Ich möchte schon gerne wissen, wie es den Patientinnen und Patienten nach unseren Eingriffen geht“, sagt er, „am Ende zählt für mich nur eines: Hat der Patient profitiert – ja oder nein.“ Das zeigt: Radiologie ist heute ein integraler Bestandteil klinischer Entscheidungswege. Sie verbindet das, was sie sieht, mit dem, was Patientinnen und Patienten brauchen – oft in Sekunden, manchmal über Monate hinweg. Prof. Spüntrup: „Genau darin liegt die Zukunft unseres Fachbereichs, weil wir nicht nur erkennen, sondern handeln.“

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Das Bild zeigt zwei Radiologen bei einem Eingriff, sie sind steril gekleidet und behandeln einen Patienten.
Moderne Radiologien wie die auf dem Winterberg behandeln Schlaganfälle, öffnen verschlossene Gefäße, stoppen Blutungen und können Tumore sogar minimalinvasiv zerstören.
Das Bild zeigt Radiologie-Chefarzt Prof. Dr. Elmar Spüntrup.
„Wir sind nicht nur dabei – wir behandeln“, sagt Prof. Dr. Elmar Spüntrup. Denn oft sei die radiologische Intervention der erste therapeutische Schritt und oftmals auch die einzige Behandlungsmöglichkeit.
Der Angiographieraum ohne Menschen, in dem Eingriffe an den Gefäßen von Patienten durchgeführt werden.
Diagnostik-Spektrum: Die Radiologie auf dem Winterberg arbeitet mit allen modernen bildgebenden Verfahren – von Röntgen über CT und MRT bis zur Angiographie und Neuroradiologie.
Man sieht Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt Radiologie, und Dr. Michael Steffen, Chefarzt der Klinik für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie mit zertifiziertem Gefäßzentrum.
Interdisziplinär: Viele Überschneidungen gibt es mit der Gefäßchirurgie, zum Beispiel bei einem Aortenbogenersatz.
Man sieht einen vorbereiten Tisch mit sterilen OP-Utensilien, Spritzen, Kathetern, Tüchern.
Spritzen, Katheter, Kanülen: So kann der Arbeitsplatz eines Radiologen vor einer Intervention aussehen.
Kennzahl: 30 Millionen befundete Bilder pro Jahr - die Radiologie als zentrale Schaltstelle moderner Medizin.
Prof. Dr. Elmar Spüntrup steht vor vielen Monitoren, die ihm die Gefäße seines Patienten zeigen.
Mehr als Diagnostik. Radiologie ist heute ein integraler Bestandteil klinischer Entscheidungswege.
Das Bild zeigt Prof. Dr. Elmar Spüntrup bei einem Eingriff, einer sogenannten Intervention.
Wie Kraken: Radiologinnen und Radiologen suchen und sammeln alle verfügbaren Informationen zusammen, um ein vollständiges Bild zu erzeugen, das zur klinischen Situation des Patienten passt.