Die Krankenhausapotheke: Im Dauereinsatz für die Patienten

Pressemitteilung /

Weit über das eigene Klinikum hinaus: Auf dem Winterberg werden individuelle, sterile Arzneimittel produziert.

In der Krankenhausapotheke des Klinikums Saarbrücken entstehen täglich hochkomplexe, individuell hergestellte Arzneimittel –mit größter Präzision. Rund 13.000 sterile Zubereitungen für Chemotherapien werden pro Jahr gefertigt, viele davon innerhalb einer Stunde vom Rezept bis zur Auslieferung. Ob Chemotherapien, sterile Zubereitungen oder andere patientenspezifische Rezepturen: Jede Therapie ist ein Unikat – exakt berechnet, unter Reinraumbedingungen hergestellt und für genau einen Menschen bestimmt.

Im Klinikum Saarbrücken werden nicht nur Patientinnen und Patienten behandelt, sondern in der Krankenhausapotheke auch tagtäglich hochkomplexe, lebenswichtige Therapien für sie hergestellt – mit größter Präzision. Die Krankenhausapotheke versorgt alle Ambulanzen, Stationen und Bereiche auf dem Winterberg mit Arzneimitteln, Infusionslösungen, künstlicher Ernährung, Kontrastmitteln und Desinfektionsmitteln. In besonderen Fällen werden Salben, Zäpfchen, Kapseln und Lösungen nach Rezepturen eigens angefertigt.

Ein Schwerpunkt: Herstellung von Medikamenten, die Krebszellen gezielt bekämpfen

Zu einem Schwerpunkt ist inzwischen die Herstellung von Zytostatika geworden. Zytostatika sind Medikamente, die das Wachstum von Krebszellen gezielt bekämpfen und so den Krebs besiegen können. Sie bilden die Grundlage der Chemotherapie, die meist als Infusion verabreicht wird. Jede dieser Therapien ist ein Unikat – individuell dosiert, angepasst an Gewicht, Organfunktion und die gesamte Behandlungssituation. „Wir machen keine Standardprodukte. Jede Therapie gehört genau einem Menschen – und sie muss zu 100 Prozent passen“, sagt die Fachapothekerin für Klinische Pharmazie Emily Munz. Sie ist stellvertretende Leitung der Krankenhausapotheke und Vorsitzende des saarländischen Landesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker.

Jährlich stellt die Krankenhausapotheke des Klinikums bislang bis zu 2.500 Chemotherapien für stationäre Patientinnen und Patienten her. Seit der Gründung des MVZ Onkologie zu Beginn dieses Jahres hat sich diese Zahl deutlich gesteigert, denn die Krankenhausapotheke hat eine weitere hochspezialisierte Aufgabe übernommen: Sie produziert nun zusätzlich pro Jahr rund 10.000 individuelle Zytostatika‑Zubereitungen für die Vertragsapotheke des neuen MVZ.

Insgesamt entstehen so rund 13.000 sterile Zubereitungen pro Jahr – eine beeindruckende Zahl, die zeigt, welche Verantwortung das Team trägt. „Wir schauen immer zweimal hin. Es geht bei den Zubereitungen darum, dass sie Leben retten können für Patientinnen und Patienten“, sagt Apothekerin Beate Halex, die seit knapp 22 Jahren im Team Winterberg ist und die Krankenhausapotheke seitdem leitet.

Enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnerin Paulus-Apotheke am Rastpfuhl

Die Paulus‑Apotheke am Saarbrücker Rastpfuhl unter Leitung von Eva Gabriel holt die Zubereitungen dreimal täglich ab. Viele dieser Medikamente sind nur 24 Stunden haltbar, manche sogar noch kürzer. Von der Freigabe des Rezepts bis zur Auslieferung vergeht oft nur eine Stunde – 60 Minuten voller Präzision, Kontrolle, Genauigkeit – und Wert: Ein einzelner Beutel kann Medikamente im Wert von bis zu 15.000 Euro enthalten.

Präzision unter Reinraumbedingungen

Die Herstellung erfolgt in Reinräumen der Klasse A. Die Luft ist gefiltert, kein Keim darf vorhanden sein. An der Sterilwerkbank arbeiten die Mitarbeitenden oft mehrere Stunden ohne Pause. „Man muss sich bei jedem Schritt bewusst sein, was man tut. Ein kleiner Fehler kann viel auslösen – deshalb arbeiten wir hier mit größter Achtsamkeit“, sagt Munz.

Die Substanzen reichen von dünnflüssig bis harzartig, manche lassen sich kaum mit einer Kanüle aufziehen. Trotzdem muss am Ende exakt das im Beutel sein, was auf dem Etikett steht. Alle sechs Monate wird der gesamte Prozess revalidiert – ein Beleg für den hohen Anspruch an Qualität und Sicherheit.

Die Sterilgutherstellung – ein besonderer Beitrag für die Versorgung im Haus

Ein Bereich, der im Klinikalltag leicht übersehen wird – gerade weil er im Hintergrund abläuft – ist die Sterilgutherstellung. Während Zytostatika aufgrund ihrer Toxizität viel Aufmerksamkeit erhalten, wirken andere sterile Arzneimittel auf den ersten Blick unspektakulär. Doch ihre Herstellung unter strengsten Reinraumbedingungen ist für das Klinikum Saarbrücken von zentraler Bedeutung.

Um Stationen zu entlasten, produziert die Apotheke gezielt sterile Arzneimittel für Bereiche wie die Kinderintensivstation (KIS), den OP oder die Allgemeinchirurgie. Das nimmt den Teams vor Ortdiverse Arbeitsschritte ab. .

„Wir wissen, wie knapp die Zeit auf diesen Stationen sind. Wenn wir deren sterile Zubereitungen übernehmen und das nicht das Pflegepersonal vor Ort machen muss, entlastet das die Teams enorm“, erklärt Munz.

Auf der KIS werden viele dieser Präparate direkt auf Station benötigt – oft in standardisierten Dosierungen, aber individuell angepasst an die Bedürfnisse der Kinder. Die Apotheke stellt deshalb standardisierte, aber stationsspezifisch konfigurierte Zubereitungen her, die exakt zu den Abläufen der jeweiligen Abteilung passen. „Gerade in der Pädiatrie ist die exakte Dosierung entscheidend – kleine Abweichungen können große Auswirkungen haben. Durch die zentrale Herstellung stellen wir sicher, dass jede Zubereitung exakt den Anforderungen entspricht“, ergänzt Munz.

Das Ergebnis: Pflege und Ärzteschaft werden entlastet, Fehlerquellen werden durch standardisierte Abläufe minimiert, die Medikamentenverfügbarkeit ist viel besser planbar, was insgesamt dem Krankenhaus hilft, effektiver zu wirtschaften. „So eine Zusammenarbeit entsteht nur durch gute Kommunikation und echten Austausch mit den Stationen. Wir hören zu, wir passen an – und am Ende profitieren alle“, sagt Halex.

Ein Team, das Verantwortung trägt

Rund zwanzig Mitarbeitende arbeiten in der Apotheke, darunter sechs Apothekerinnen und Apotheker sowie mehrere Fach‑PTA für Onkologie. Sie alle tragen dazu bei, dass im Klinikum Saarbrücken eine Versorgung möglich ist, die weit über das Übliche hinausgeht. Die Krankenhaus-Apotheke des Klinikums Saarbrücken versorgt neben dem Klinikum Saarbrücken auch die Nardinikliniken in Zweibrücken und Landstuhl und die Mediclin-Rehakliniken in St. Wendel und Blieskastel sowie den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) im Raum Saarbrücken inklusive aller Rettungsmittel (bodengebunden sowie Helikopter Christoph 16), außerdem den Malteser Hilfsdienst e.V., Stadtgliederung Saarbrücken, und den Arbeiter-Samariter-Bund Landesverband RHLP e.V., Kreisverband Zweibrücken.

„Am Ende zählt, dass jede Therapie sicher und zuverlässig dort ankommt, wo sie gebraucht wird – beim Menschen. Dass das gelingt, ist das Ergebnis vieler präziser Schritte und eines Teams, das Verantwortung übernimmt und zusammensteht“, sagt Halex.

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Emily Munz (links) und Beate Halex leiten die Krankenhausapotheke auf dem Winterberg. Sie sind zu sehen, wie sie inmitten von Medikamentenregalen stehen.
Emily Munz (Stellvertreterin, links) und Beate Halex (Leitung, rechts) leiten die Krankenhausapotheke auf dem Winterberg.
Eine vermummte Fachkraft im Reinraum der Apotheke ist zu sehen, wie sie Medikamente aufzieht.
Die Herstellung erfolgt in Reinräumen der Klasse A. Die Luft ist gefiltert, kein Keim darf vorhanden sein. An der Sterilwerkbank arbeiten die Mitarbeitenden oft mehrere Stunden ohne Pause. „Man muss sich bei jedem Schritt bewusst sein, was man tut. Ein kleiner Fehler kann viel auslösen – deshalb arbeiten wir hier mit größter Achtsamkeit“, sagt Emily Munz.
Zwei Hände in Handschuhen ziehen Flüssigkeit in eine Spritze auf.
Die Substanzen reichen von dünnflüssig bis harzartig, manche lassen sich kaum mit einer Kanüle aufziehen. Trotzdem muss am Ende exakt das im Beutel sein, was auf dem Etikett steht. Alle sechs Monate wird der gesamte Prozess revalidiert – ein Beleg für den hohen Anspruch an Qualität und Sicherheit.