Stark schwitzende Hände erschwerten Sebastian Winterhagen Alltag und Musik. Eine minimal-invasive Operation im Klinikum Saarbrücken brachte dem 33-jährigen gebürtigen Düsseldorfer den gewünschten Erfolg: Bereits am Folgetag konnte er mit trockenen Händen nach Hause. Die Nachfrage nach dem Eingriff steigt.
Klavier, Koto und klassischer Gesang: Musik spielt im Leben von Sebastian Winterhagen eine wichtige Rolle. Doch seine Hände schwitzten so stark, dass die Finger beim Musizieren von Tasten und Saiten abrutschten. Seine „Schwammhände“, wie er sie liebevoll nannte, belasteten ihn auch im Beruf und im Alltag. Im Klinikum Saarbrücken ließ Sebastian in der Thoraxchirurgie jetzt die sogenannte palmare Hyperhidrose operieren. Der Erfolg zeigte sich unmittelbar nach der OP: Kein Schwitzen mehr an den Handflächen. „Jetzt habe ich trockene Hände. Genau das wollte ich“, sagt Sebastian nach dem Eingriff. Er ist glücklich und zufrieden. Am Folgetag nach der OP durfte er schon wieder nach Hause.
Der Saarländische Rundfunk hat im Aktuellen Bericht vom 17. September 2026 darüber berichtet und Sebastian Winterhagen vorher und nachher begleitet (ab Minute 17:41).
Eine Erkrankung, die sich nicht verstecken lässt
Palmare Hyperhidrose ist der medizinische Begriff für krankhaft gesteigertes Schwitzen an den Händen. Es tritt unabhängig von Hitze oder körperlicher Anstrengung auf und kann Alltag, Berufsleben und soziale Kontakte erheblich beeinträchtigen.
„Man kann die Erkrankung nicht verstecken. Das ist wie beim Erröten: Es ist einfach da und man kann es nicht beeinflussen“, sagt Sebastian. Seinen „Schwammhänden“ begegnete er offen und mit Humor. Ebenso offen möchte er nun davon erzählen, dass er sie nicht mehr hat.
Im Alltag wurden Papier und Bücher stets feucht oder wellig. „Ich habe schon viele Manuskripte total versaut“, erinnert sich Sebastian. Zudem können feuchte Hände den falschen Eindruck erwecken, jemand sei nervös oder angespannt. Gerade in beruflichen Situationen empfand er das als unangenehm.
Wenn die Hände beim Musizieren nicht mitspielen
Sebastian ist Sozialpsychologe an der Universität zu Köln. Nebenberuflich spielt er Klavier und Koto, eine traditionelle japanische Zither, früher außerdem Geige. Auch seine Stimme ließ er klassisch ausbilden. Beim Musizieren wurden die schwitzenden Hände zur konkreten Einschränkung: Am Klavier rutschten die Finger von den Tasten, bei der Koto erschwerte die Feuchtigkeit das Spiel auf den Saiten und die Befestigung der Plektra.
Vor der Operation formulierte Winterhagen seinen Wunsch gegenüber Operateur Alexander Gamrekeli kurz und klar: „Ich hätte gerne trockene Hände – und das am liebsten dauerhaft.“
Ein Artikel führte ihn ins Klinikum Saarbrücken
Durch seine Familie erfuhr Sebastian von der Behandlungsmöglichkeit im Klinikum Saarbrücken. Seine Mutter hatte einen Artikel darüber in der Saarbrücker Zeitung gelesen und ihm davon berichtet.
Eine Operation kommt infrage, wenn konservative Behandlungen wie Salben, Puder oder Botulinumtoxin keine ausreichende Besserung bringen und die Hyperhidrose die Lebensqualität deutlich einschränkt.
Der verantwortliche Nerv verläuft im Brustkorb
Dass stark schwitzende Hände in der Thoraxchirurgie behandelt werden, überrascht viele Betroffene. Der Grund: Der sympathische Grenzstrang steuert die Schweißproduktion mit und verläuft als Teil des autonomen Nervensystems nahe der Wirbelsäule im Brustkorb.
Bei der thorakoskopischen Sympathikus-Blockade, kurz TSB, wird die Weiterleitung dieser Nervensignale gezielt unterbrochen. Der etwa 30-minütige Eingriff erfolgt minimal-invasiv unter Vollnarkose. Dazu setzen die Operateure unterhalb jeder Achsel zwei etwa fünf Millimeter kleine Zugänge, über die eine feine Kamera und spezielle Instrumente in den Brustkorb eingeführt werden. An einer genau festgelegten Stelle blockiert ein Clip die Weiterleitung der Signale an die Schweißdrüsen. Der Effekt zeigt sich häufig unmittelbar nach der Operation: Die Hände sind trocken.
Besondere Aufmerksamkeit für seine Stimme
Als klassisch ausgebildetem Sänger war Sebastian auch der Schutz seiner Stimme wichtig. Deshalb bat er vor der Operation um besondere Vorsicht bei der Intubation unter Vollnarkose. Das Behandlungsteam habe dies „voll auf dem Schirm“ gehabt, berichtet er. Diese Aufmerksamkeit gab ihm zusätzliche Sicherheit.
Deutlich mehr Eingriffe als im Vorjahr
Die Nachfrage nach der operativen Behandlung ist im Klinikum Saarbrücken deutlich gestiegen: Bis Mitte August 2026 wurden bereits doppelt so viele Patientinnen und Patienten mit palmarer Hyperhidrose operiert wie im gesamten Jahr 2025. Auch die Zahl der Anfragen nahm zu.
„Wenn die Patientinnen und Patienten zu uns kommen, ist der Leidensdruck meist schon sehr hoch“, sagt Alexander Gamrekeli, Sektionsleiter Thoraxchirurgie im Zentrum für Thoraxmedizin. Viele Betroffene wüssten nicht, dass eine operative Behandlung möglich ist. Umso wichtiger sei die Aufklärung über Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten.
Heute kann Sebastian von seinen „Schwammhänden“ in der Vergangenheitsform sprechen und sich an Klavier und Koto ganz auf die Musik konzentrieren.



