Am 1. März 2026 findet der von der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie ins Leben gerufene „Tag der Hand” statt. In diesem Jahr steht die Dupuytren-Krankheit im Mittelpunkt. Bei dieser gutartigen, aber fortschreitenden Bindegewebserkrankung kommt es zu Knoten- und Strangbildungen in der Hohlhand. Die Betroffenen können ihre Finger zunehmend nicht mehr vollständig strecken. Auch im Klinikum Saarbrücken spielt Morbus Dupuytren eine wichtige Rolle, er zählt zu den häufigsten gutartigen Veränderungen der Hand. Unbehandelt kann die Erkrankung zu deutlichen Einschränkungen führen. Albert Gillen ist einer der Betroffenen. Für ihn bedeutet der Eingriff durch die Experten des Winterbergs eine deutliche Verbesserung seiner Handfunktion und bringt ein Stück Lebensqualität zurück, die er durch die Erkrankung verloren hatte.
Für Albert Gillen aus St. Wendel begann alles schleichend. „Am Anfang denkt man sich nicht viel dabei“, erinnert sich der heute 79-Jährige. Ein kleiner Knoten in der Handfläche, etwas Spannung im Gewebe – das beunruhigte ihn zunächst nicht. Doch mit der Zeit wurden die Veränderungen deutlicher. Die Finger ließen sich nicht mehr vollständig strecken, das Greifen wurde mühsamer, und selbst das Fahrradfahren oder das Spielen der Klarinette, seine große Leidenschaft, fiel ihm zunehmend schwer.
Seine Lebenspartnerin ermutigte ihn schließlich, das Problem ärztlich abklären zu lassen. Der Hausarzt überwies ihn an die Klinik für Unfall- und Handchirurgie des Klinikums Saarbrücken, wo die Diagnose bestätigt wurde: Morbus Dupuytren – eine gutartige, aber fortschreitende Erkrankung der Bindegewebsplatte, bei der sich Knoten und Stränge in der Hand bilden können. Im Verlauf ziehen sie die betroffenen Finger immer weiter in Richtung Handfläche, sodass man sie nicht mehr vollständig strecken kann.
Die Behandlungsmöglichkeiten hängen vom individuellen Beschwerdebild sowie vom Fortschritt der Erkrankung ab. Nicht jeder Knoten oder Strang muss sofort operiert werden, häufig reicht zunächst eine engmaschige Kontrolle aus. Bei Albert Gillen war die Handfunktion jedoch bereits so eingeschränkt, dass er sich gemeinsam mit dem Behandlungsteam für eine Operation entschied. Da beide Hände erkrankt waren, ließ er sie nacheinander mit einem Abstand von vier Monaten von der leitenden Oberärztin Dr. Katrin Schall operieren.
Ein 45‑Minuten‑Eingriff, der alles verändert
Bei dem Eingriff handelt es sich um eine partielle Fasziektomie. Dabei werden die krankhaft veränderten Anteile des Bindegewebes in der Hand vorsichtig entfernt, sodass sich die betroffenen Finger wieder strecken lassen. Der Eingriff dauert rund 45 Minuten und wird nach modernen handchirurgischen Standards durchgeführt. Um ein möglichst klares Sichtfeld auf die feinen Strukturen der Hand zu erhalten, wird der Arm vor der Operation „ausgewickelt“, um eine sogenannte „Blutleere“ zu erzeugen.
Dieses Verfahren sorgt dafür, dass kein Blut in die Hand strömt, wodurch besonders präzises Arbeiten ermöglicht wird. Unter einer Lupenbrille, die selbst kleinste Strukturen deutlich sichtbar macht, wird das verhärtete Gewebe Schritt für Schritt freigelegt. Eine sogenannte „Bleihand” stabilisiert während der gesamten Operation die Finger des Patienten, sodass dem Operateur beide Hände für die filigrane Arbeit zur Verfügung stehen. Der krankhafte Strang wird vorsichtig freigelegt und vollständig entfernt. Anschließend wird die Haut sorgfältig vernäht und die Hand mit einem schützenden Verband versorgt.
Der Schlüssel zum Erfolg
Ein entscheidender Schritt nach der Operation ist die gezielte Nachbehandlung. Für Albert Gillen begann bereits kurz nach den Eingriffen die ergotherapeutische Therapie. Diese zielt darauf ab, die Beweglichkeit der Finger zu erhalten, Schwellungen zu reduzieren sowie frühzeitig wieder Kraft und Feinmotorik aufzubauen. Gerade in den ersten Wochen nach der Operation ist es wichtig, die Hand regelmäßig zu bewegen und die Übungen konsequent durchzuführen.
Bei Morbus Dupuytren ist bekannt, dass die Erkrankung erneut auftreten kann. Wie wahrscheinlich dies ist, hängt von der Ausprägung der Gewebeveränderung und der individuellen Veranlagung ab. Eine gute Nachsorge mit regelmäßiger Handtherapie kann jedoch dazu beitragen, die Funktion der Hand so lange wie möglich stabil zu halten.
Das bestätigt auch Operateurin Dr. Katrin Schall: „Ich bin sehr zufrieden mit den OP-Ergebnissen. Herr Gillen ist ein echter Vorzeigepatient. Er hat die Nachbehandlung und die Ergotherapie vorbildlich durchgeführt.“
Zurück zu Musik und Bewegung
Für Albert Gillen hat sich die Mühe gelohnt. Schritt für Schritt konnte er die Beweglichkeit seiner Hände zurückgewinnen Er möchte bald wieder mit dem Fahrrad unterwegs sein und freut sich besonders darauf, seine Klarinette endlich wieder in die Hand nehmen zu können. „Ich freue mich, wieder richtig zupacken zu können, und bin dem Team der Klinik für Unfall- und Handchirurgie sehr dankbar. Ich habe mich dort jederzeit bestens aufgehoben gefühlt“, so Albert Gillen nach seiner zweiten OP.



