Unbekanntes Umfeld, unbekannte Menschen, die einen behandeln: Gerade für Patientinnen und Patienten mit Demenz kann ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus eine besondere Herausforderung sein.
„Ein Klinikaufenthalt ist für Menschen mit Demenz eine große Belastung, weil die Situation neu und unbekannt ist. Grelles Licht, weiße Wände, neue Gerüche. Gerade bei der Aufnahme stehen viele Untersuchungen an. Da sind ständig fremde Menschen, die etwas von einem wollen“, erklärt Stefan Breitbach, Pflege-Bereichsleiter und Demenzbeauftragter auf dem Winterberg.
Modellprojekt zur sektorenübergreifenden Betreuung von Demenzkranken
Eben da setzt das saarländische Modellprojekt „SEBDem“ (Sektorenübergreifender Einsatz gewohnter Betreuungskräfte für Demenzkranke) an, in das Stefan Breitbach involviert ist: Perspektivisch sollen neben eventuellen Angehörigen auch externe Betreuungskräfte, die Patienten bereits von zuhause kennen, ins Krankenhaus kommen können, um ihre Betreuten zu unterstützen.
Demenzgeschirr und Demenzkiste auf dem Winterberg im Einsatz
Daneben engagiert sich unser Demenzbeauftragter aber auch jetzt schon aktiv im Stationsalltag für demente Patienten. Schon Kleinigkeiten können hier einen großen Unterschied machen, angefangen beim Geschirr: Unser rotes Demenzgeschirr steht auf einer rutschhemmenden Matte, sticht als farblicher Kontrast ins Auge und extra breite Griffe und Henkel sowie erhöhte Tellerränder sorgen für mehr persönliche Sicherheit.
Gemeinsam mit Kollegin Katja Sonne hat Stefan Breitbach aber auch besondere „Schätze“ in sogenannten Demenzkisten gesammelt: Ob alte Fotoaufnahmen von bekannten Situationen oder Idolen wie Elvis Presley, Kuscheltiere, ein Rosenkranz, eine „SingLiesel“ mit alten Volksliedern oder Rasseln und Bälle zum beruhigenden Drücken – die Kiste spricht alle Sinne der Patienten an und sorgt in der Fremde für Wiedererkennungseffekte sowie für Beschäftigung und Ablenkung.
Hintergrund: Modellprojekt „SEBDem“
Das Projekt "SEBDem" hat das Ziel, demente Menschen bei einem Krankenhausaufenthalt zu unterstützen, indem die von zu Hause gewohnte Betreuung durch ambulante Dienste dort weitergeführt wird. Bisher war eine solche sektorenübergreifende Hilfestellung durch die strikte Trennung von Pflege- und Krankenversicherung nicht möglich. Als Modellregion ist das Saarland hier Vorreiter und testet die Umsetzungsmöglichkeiten.
Unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Saarland arbeiten an diesem Projekt neben dem iso-Institut die Saarländische Pflegegesellschaft sowie die AOK Saarland/Rheinland-Pfalz sowie die IKK-Südwest mit. Unterstützung leisten darüber hinaus zahlreiche Kooperationspartner wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, das Saarländische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sowie die Saarländische Krankenhausgesellschaft und die Ärztekammer des Saarlandes. Das Klinikum Saarbrücken beteiligt sich am Projekt.




