Hitze kann lebensgefährlich werden: Notfallmedizinerin klärt auf

Pressemitteilung /

Die anhaltenden Hitzewellen belasten den menschlichen Körper erheblich, vor allem bei vorerkrankten Menschen.

Die Folgen von Hitze werden häufig unterschätzt. Dabei zeigen aktuelle Zahlen, wie groß die gesundheitliche Belastung sein kann: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts gab es in diesem Jahr bereits rund 330 hitzebedingte Todesfälle im Saarland. Das sind schon jetzt etwa fünfmal so viele wie im gesamten Vorjahr. Allein in der letzten Juniwoche, als die Temperaturen auf über 40 Grad stiegen, starben im Saarland doppelt so viele Menschen wie üblicherweise.

Selbst für gesunde Menschen eine hohe Belastung

Warum hohe Temperaturen so gefährlich werden können, erläutert Susanne Biel, Oberärztin der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Saarbrücken. Zwar seien vor allem ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen gefährdet, doch auch junge und gesunde Menschen seien nicht vor den Folgen extremer Hitze geschützt. Darauf weist Susanne Biehl in einem aktuellen Interview mit SR3 hin. 

„Länger anhaltende Hitze stellt selbst für gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen eine Belastung dar“, erklärt sie. Schlechter Schlaf, Appetitlosigkeit und Konzentrationsprobleme gehörten zu den häufigsten Beschwerden. Schwere hitzebedingte Erkrankungen beobachte das Team der Zentralen Notaufnahme insbesondere bei Menschen, die trotz hoher Temperaturen körperlich stark arbeiten oder intensiv Sport treiben.

Bestehende Erkrankungen können sich verschlechtern

Besonders kritisch wird Hitze für Menschen mit Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Lungenerkrankungen. Bestehende Erkrankungen können sich während einer Hitzewelle verschlechtern, beispielsweise durch Flüssigkeitsmangel oder veränderte Medikamentenwirkungen. „Die Hitze allein ist nur selten die Ursache für einen Todesfall. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen“, so die Medizinerin.

Kinder niemals in Fahrzeugen lassen

In seltenen Fällen kann Hitze jedoch auch unmittelbar lebensbedrohlich werden. Das betrifft vor allem Situationen mit starker körperlicher Belastung oder tragische Fälle, in denen Kinder in Fahrzeugen zurückgelassen werden. Dann kann die körpereigene Temperaturregulation versagen. Die überhöhte Körpertemperatur schädigt Eiweiße und Organe, was im schlimmsten Fall zu einem Multiorganversagen führen kann.

Wird die körpereigene Temperaturregulation überfordert, kann dies schwerwiegende Folgen haben. In extremen Fällen drohen Organversagen und lebensbedrohliche Komplikationen. Warnzeichen sind unter anderem Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, vermindertes Durstempfinden und eine erhöhte Körpertemperatur. Gerade ältere Menschen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen nehmen diese Symptome oft selbst nicht wahr. Daher seien Angehörige und das persönliche Umfeld besonders wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. 

Warnsignale ernst nehmen

Um gesundheitliche Risiken zu vermeiden, empfiehlt Dr. Biehl, ausreichend zu trinken, Sonnenschutz zu verwenden, eine Kopfbedeckung zu tragen und regelmäßige Pausen in kühleren Bereichen einzulegen. Bei körperlicher Arbeit im Freien sollten Tätigkeiten möglichst an die Wetterbedingungen angepasst werden. Entscheidend sei, Warnsignale ernst zu nehmen und sowohl auf sich selbst als auch auf andere zu achten.

Interviews in Radio und Fernsehen

Seit der Hitzewelle Ende Juni werden die Ärztinnen und Ärzte unserer Zentralen Notaufnahme immer wieder für Interviews zum Stand der Dinge angefragt. Auch, wenn die Arbeitsbelastung in den Notaufnahmen hoch ist, versuchen wir, diese Interviews möglich zu machen. Manchmal bleibt dafür nur fünf Minuten zwischen der Behandlung von zwei Patienten Zeit. Dem Klinikum ist wichtig, auch bei diesem Thema seinen Beitrag zu notwendigen Aufklärungsthemen zu leisten. 

Hier können Sie eine Auswahl sehen, welche Interviews und Beiträge es in den vergangenen Wochen zum Thema "Hitze" mit Beteiligung des Team Winterberg gab:

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Das Foto zeigt den Eingang unserer Notaufnahme mit zwei Rettungswagen vor der Einfahrt.
Die aktuelle Hitzewelle beansprucht die ohnehin überlasteten Notaufnahmen noch mehr als sonst.
Portraitfoto Susanne Biehl
Susanne Biehl ist Oberärztin in der Zentralen Notaufnahme auf dem Winterberg und hat unter anderem mit SR3 über die Auswirkungen der Hitzewelle gesprochen.