Die aktuell diskutierten Absencen bei Fußballprofi Jamal Musiala, die er jüngst selbst öffentlich gemacht hat, lenken den Blick auf eine neurologische Erkrankung, die vielen Menschen unbekannt ist. Neurologie-Chefarzt Prof. Dr. Andreas Binder ordnet die medizinischen Hintergründe von Absencen und Epilepsien ein.
Bei Instagram hat Musiala geschrieben: „Ich weiß, dass diese auf den ersten Blick scary wirken - für mich sind sie aber aktuell Teil meines Alltags. Ich bin diesbezüglich in bester medizinischer Behandlung und sehr optimistisch.“ (Instagram-Profil @jamalmusiala10 vom 19. August 2026).
Neuronale Dysfunktion als mögliche Ursache
Absencen sind kurze Bewusstseinsstörungen. Betroffene wirken für wenige Sekunden abwesend und reagieren nicht auf Ansprache - so, als würde das Gehirn für kurze Zeit auf "Pause" schalten. Danach kehren sie meist unmittelbar in ihren Alltag zurück. Jamal Musiala nennt als Ursache eine „neuronale Dysfunktion“. Dieser Begriff bedeutet zunächst eine Funktionsstörung des Nervensystems und kann unterschiedliche Ursachen haben.
„Eine neuronale Dysfunktion kann die Ursache von Absencen sein. Absencen können wiederum im Rahmen einer Epilepsie auftreten. Dabei handelt es sich um eine chronische neurologische Erkrankung, bei der vorübergehend die elektrische Aktivität des Gehirns verändert ist“, erklärt Prof. Binder, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Klinikum Saarbrücken.
Epilepsien können in jedem Alter auftreten
Epilepsien können in jedem Lebensalter auftreten. Während bei jüngeren Menschen häufig genetische Faktoren eine Rolle spielen, liegen im höheren Lebensalter oft strukturelle Veränderungen des Gehirns zugrunde, beispielsweise nach Schlaganfällen, Kopfverletzungen, Entzündungen oder Tumorerkrankungen.
Im Erwachsenenalter sind diese Erkrankungen die häufigsten Ursachen für eine Epilepsie und bilden zusammen mit akuten Schlaganfällen die zwei häufigsten Patientengruppen bei neurologischen Notfallpatienten im Klinikum Saarbrücken.
Dann ist eine sorgfältige Diagnostik mittels Hirnstromkurvenmessung, MRT und ggf. einer Nervenwasseruntersuchung notwendig. „Nicht jeder Patient, der einen ersten epileptischen Anfall erleidet, ist automatisch an einer Epilepsie erkrankt. Deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend.“ Dazu können eine Hirnstromkurve (EEG), eine Magnetresonanztomographie (MRT) und gegebenenfalls weitere Untersuchungen gehören.
Viele Formen der Epilepsie sind gut behandelbar
Die gute Nachricht: Viele Formen der Epilepsie lassen sich heute sehr gut behandeln. Mit der richtigen Therapie können viele Betroffene ein weitgehend normales Leben führen: „Wie im aktuell öffentlich diskutierten Fall beschrieben, sind viele Epilepsien heute mit gut verträglichen Medikamenten behandelbar. Wichtig ist, verordnete Medikamente regelmäßig einzunehmen, um erneute Anfälle und mögliche Komplikationen zu vermeiden“, so Prof. Binder.



