Premiere: Lachgas in der Geburtshilfe

Die kleine Pauline (2950 g, 49 cm) kam am Sonntag um 16:37 Uhr im Klinikum Saarbrücken auf die Welt. Mama Mareike hat für eine Premiere im Kreißsaal gesorgt: Sie war die erste Schwangere im Klinikum, die mit Hilfe von Lachgas entbunden wurde. Das Lachgas-Sauerstoff-Gemisch (Distickstoffmonoxid, N2O) ist das älteste Narkosemittel, das die Medizin kennt und findet nun wieder zurück in die modernen Kreißsäle.
„Lachgas ist eine richtig gute Alternative zu PDA und Opiaten. Das Angebot kommt unseren Frauen, die spontan entbinden möchten, zu Gute“, freut sich Hebamme Sabrina Buck, die Mama Mareike bei der Geburt von Pauline begleitet hat. Das Klinikum verfügt über ein neues mobiles Lachgas-Gerät, das an den Ort des Schmerzgeschehens rollen kann.

Der Ablauf ist einfach, das Gerät ist voreingestellt und wird von den Hebammen bedient: Die schwangeren Frauen inhalieren in eine Maske, erst drei Minuten, danach bei jeder Wehe. Es kann für die Eröffnungsphase und die Pressphase während des Geburtsvorgangs und anschließend auch bei der Versorgung von Geburtsverletzungen benutzt werden. „Es gibt keine Nachteile für das Ungeborene, im Gegenteil. Meist werden die Herztöne besser, weil die Mama sich mehr entspannt“, berichtet Sabrina Buck. Ein weiterer Vorteil: Bei Absetzen des Lachgases lässt die Wirkung bereits nach wenigen Minuten nach – im Gegensatz zu Opiaten, die der Körper lange abbauen muss. Für die Mütter unter Wehen hat Lachgas den Vorteil, dass das Schmerzmittel nach eigenen Bedürfnissen dosiert werden kann – je nach Schmerzempfinden. „Der Geburtsschmerz wird nicht ausgeschaltet, aber er ist in der Spitze besser erträglich“, sagt Hebamme Sabrina Buck: „Die Wehentätigkeit wird davon nicht beeinflusst, unsere Mütter können so die Geburt bewusster miterleben.“

Das Hebammen-Team auf dem Winterberg hofft, mit diesem neuen Angebot vielen Frauen den Weg zur Spontangeburt zu erleichtern. Natürlich entscheiden die Schwangere und die Hebammen gemeinsam, bei wem welches Medikament und welcher Weg am besten passen. „Bei der Geburt von Pauline war das Lachgas für die Mama perfekt: Sie hatte nachts bereits starke Schmerzmittel bekommen, eine PDA hat nicht groß zur Linderung der Schmerzen beigetragen. Fast wären wir wegen Geburtsstillstand im OP gelandet. Ab mittags haben wir es mit Lachgas versucht. Dadurch konnte die Mama sogar zwischendurch ein paar Minuten schlafen, wurde also viel entspannter. Und am Ende konnte sie ihre Tochter natürlich zur Welt bringen“, berichtet Sabrina Buck.
Im Kreißsaal des Klinikums Saarbrücken freuen sich die Geburtshelferinnen auf weitere Einsätze des mobilen Lachgas-Geräts: „Für unsere Frauen ist das eine tolle Option – auch ihrem Kind zuliebe.“
Wir raten Schwangeren, die sich dafür interessieren, dies mit ihren Gynäkologen und Hebammen vorab zu besprechen. Für die Entbindung sollten sie eine Klinik wählen, in der diese Schmerzbehandlung angewendet wird, beispielsweise das Klinikum Saarbrücken.

Was genau ist Lachgas? Der korrekte Name lautet Distickstoffmonoxid, es ist ein farbloses Gas, das zur Gruppe der Stickoxide gehört. Es ist das historisch älteste Narkosemittel, das bis heute in der Zahnmedizin, bei leichten chirurgischen Eingriffen sowie in der Geburtshilfe als Lachgas-Sauerstoff-Gemisch eingesetzt wird.

 

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