Zeitbombe Schlaganfall: Die Uhr tickt - aber seit wann?

Auf Basis von neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen hilft im Neurovaskulären Zentrum des Klinikums Saarbrücken ein „Notfall-MRT“ bei der akuten Schlaganfallbehandlung. Es wird eingesetzt, um eine Therapieform anzustoßen, die nur im Rahmen eines begrenzten Zeitfensters angewendet werden darf – innerhalb von 270 Minuten nach dem Schlaganfall. Was tun, wenn der Anfangszeitpunkt unklar ist?

Ein dramatisches Dilemma: Patienten erwachen morgens mit den Beschwerden eines akuten Schlaganfalls, beispielsweise Lähmungserscheinungen, Seh- oder Sprachstörungen. Wann der Schlaganfall aufgetreten ist, ist aber unklar: Sind es Minuten? Eine Stunde? Sechs Stunden? „Dieses war bisher ein wiederkehrendes Problem in der Schlaganfallmedizin“, berichtet PD Dr. Andreas Binder, Chefarzt der Klinik für Neurologie mit überregionaler Stroke Unit im Neurovaskulären Zentrum Saarbrücken: „Denn die Gabe eines Medikaments zur Blutgerinnsel-Auflösung, die sogenannte „Lyse-Therapie“, darf nur innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfall-Beschwerden erfolgen.“ Der Erfolg dieser Therapie hängt aber ebenfalls vom Faktor Zeit ab: „Zeit ist Gehirn“, heißt es bei der Diagnose Schlaganfall.

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hat nun dieses Problem gelöst. In der „Wake-up“-Studie konnte belegt werden, dass durch Verwendung eines Notfall-MRT sicher festgestellt werden kann, ob eine Lysetherapie noch angewendet werden darf. Durch Darstellung charakteristischer Unterschiede, sogenannte „Mismatches“, zwischen verschiedenen MRT-Aufnahmen kann bestätigt werden, dass ein Schlaganfall vorliegt und nicht länger als 4,5 Stunden vorher eingetreten ist. 

„Allein in den ersten Monaten des Jahres 2019 konnten wir das bereits bei sieben Patienten anwenden. Das Notfall-MRT brachte Klarheit und wir konnten die Lyse-Therapie beginnen. Eine andere akute Behandlungsmöglichkeit hätte es sonst nicht gegeben“, freut sich PD Dr. Andreas Binder und sein Team. Obwohl viele Patienten nachts oder in den frühen Morgenstunden kommen, also außerhalb der normalen Arbeitszeiten, ist für Schlaganfallpatienten eine MRT-Untersuchung rund um die Uhr („24/7“) im Neurovaskulären Zentrum des Klinikums Saarbrücken sichergestellt.

Link zur Studie: (https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/neurologie/forschung/studien/neuro_forschung_wakeup.html)

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