Treffpunkt für onkologische Patienten: Onko-Café auf dem Winterberg

Diagnose: Krebs. Neben Therapiemöglichkeiten bietet das Klinikum Saarbrücken Betroffenen auch Unterstützung im Onko-Café. Die als regelmäßige Veranstaltung mit wechselnden Themenschwerpunkten konzipierte Veranstaltung soll ein Treffpunkt für onkologische Patienten und deren Angehörige sein. Das Kennenlernen und der Austausch mit Ärztinnen, Ärzten, medizinischem Personal und auch Patientinnen und Patienten in lockerer Atmosphäre stehen dabei im Mittelpunkt.

Corona-bedingt pausiert die Veranstaltungsreihe aktuell. Um Betroffene dennoch zu informieren, hat das Team der Strahlentherapie im Klinikum Saarbrücken und der Ernährungsberatung auf dem Winterberg die wichtigsten Tipps und Hinweise aus der Auftaktveranstaltung mit Fokus auf die Ernährung bei Krebserkrankung online zusammengefasst.

Tumorerkrankungen und das Thema Ernährung

Gewichtsverlust bei Erstdiagnose

  • Bei 30 bis 85 Prozent der Patienten kommt es - abhängig vom Tumorstadium - zu Gewichtsverlusten.
  • Am stärksten mit Gewichtsverlusten haben Patienten bei Kopf-/Hals-, Ösophagus-, Pankreas- und Magenkarzinom zu kämpfen.

Ziele der Ernährungstherapie

Verbesserung bzw. Stabilisierung:

  • des Ernährungszustandes
  • der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • der Verträglichkeit antitumoraler Therapien
  • der Lebensqualität 
  • des Erkrankungsverlaufs

Gegenwirken durch Ernährung

Behandlung von:

  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsabnahme
    - Erbrechen/Übelkeit
    - Durchfall/Verstopfung
    - Entzündungen im Mundraum
    - Geschmacksverlust
    - Kau- und Schluckstörungen

Folgen der Mangelernährung

... bei Tumorpatienten:

  • Verschlechterung der Immunabwehr
  • Verringerung der Muskelfunktion
  • Reduktion der Leistungsfähigkeit
  • Depression, Fatigue, Unwohlsein
  • Abnahme der Lebensqualität
  • schlechteres Ansprechen auf die Chemotherapie
  • Zunahme der Chemotherapie-bedingten Komplikationen

Grundsätzliche Ernährung

  • Patienten sollten leichte Vollkost favorisieren.

Besser Verzicht auf:

  • übermäßig viel Fett (Frittiertes/Paniertes)
  • geräucherte Fleisch- und Wurstwaren
  • schwer verdauliche, blähende Speisen
  • grobe Vollkornprodukte

Häufige Beobachtungen

Im Verlauf einer Krebserkrankung kommt es häufig zur Entwicklung individueller Unverträglichkeiten oder Aversionen gegen bestimmte Lebensmittel.


Ernährungstipps bei Chemotherapie / Radiotherapie

  • keine Mahlzeiten auslassen
  • besser viele kleine und regelmäßige Mahlzeiten
  • Essen bevor sich Hungergefühl einstellt - Hunger kann Übelkeit auslösen
  • Proteinreiche Mahlzeiten verursachen weniger Übelkeit
  • nicht nüchtern zur Chemotherapie gehen (ein bis zwei Stunden vorher essen)
  • Vermeiden von zu würzigen, fetten oder sehr süßen Speisen
  • zum Essen nur kleine Mengen trinken (Völlegefühl)
  • langsam essen
  • eventuell Ablenkung beim Essen
  • kalte Speisen und Getränke sind oft bekömmlicher als heiße
  • Vermeiden von unangenehmen Nahrungstexturen
  • manchmal werden trockene Lebensmittel besser vertragen
  • Vorsicht bei "Lieblingsspeisen" (Entwicklung einer Abneigung)
  • Nahrungsmittel mit "neutralem Geruch bevorzugen
  • bei metallischem Geschmack im Mund lieber Plastikbesteck benutzen
  • häufig kleine Mengen trinken
  • rotes Fleisch durch weißes ersetzen
  • bei einer Abneigung gegen Fleisch und Wurst mehr Milchprodukte, Eier oder Fisch verzehren
  • vor dem Essen den Mund kurz ausspülen
  • bittere und säuerliche Getränke helfen gegen schlechten Geschmack im Mund
  • nicht zu süße Zutaten verwenden
  • Anregung des Speichelflusses mit Zitronen- oder Orangengetränken, mit Kaugummi oder auch mit säuerlichem Obst (Vorsicht bei Schleimhautentzündungen)
  • keine trockenen, krümeligen oder bröselnden Lebensmittel
  • viele kleine Mahlzeiten, nur kleine Bissen, lange kauen
  • flüssige oder pürierte Kost
  • säurehaltige Nahrung und Getränke (Obstsäfte) meiden
  • kohlensäurehaltige Getränke meiden
  • Frischmilch ist nur bedingt geeignet (Verschleimung) - besser: Kefir, Sojadrinks
  • Speichelfluss anregen mit Kaugummi
  • Andicken der Speisen und Getrönke
  • auf gute Mundhygiene achten (Kariesgefahr)
  • orale Glutamingabe verbessert die Schwere und Dauer der Mukositis

Vermeiden Sie:

  • säurehaltige Nahrung und Getränke (Obstsäfte)
  • Alkohol
  • Koffein
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • blähende Lebensmittel (Kohl, Hülsenfrüchte, Pflaumen, etc.)
  • fettreiche Mahlzeiten
  • Röstprodukte
  • grob geschrotete Vollkornprodukte

Bevorzugen Sie stattdessen:

  • Fencheltee, schwarzer Tee
  • Schokolade
  • Bananen
  • Hafer- oder Reisschleim
  • abgelagertes Weißbrot
  • Haferflocken
  • geriebene, ungeschälte Äpfel
  • gekochte Karotten
  • trockener Käse
  • Nudeln
  • geschälter Reis
  • Kartoffeln
  • eventuell können Sie Guarkernmehl oder Johannisbrotkernmehl zugeben (lösliche Ballaststoffe)
  • Lebensmittel mit hoher Energiedichte
  • hochkalorische Zubereitung
  • Anreicherung mt Maltodextrin, Eiweiß, Fett
  • Traubenzucker statt Haushaltszucker
  • kalorienreiche Getränke
  • vollbilanzierte Trinknahrung (verordnungsfähig)
  • Essen, wenn der Hunger kommt
  • optisch ansprechend anrichten
  • Lieblingsspeisen bevorzugen
  • geruchsarme Speisen
  • Ablenkung beim Essen
  • angenehme Atmosphäre
  • mehrere kleine Mahlzeiten und Fingerfood

Zahlreiche Faktoren, wie die Nährstoffoptimierung, können bei Tumorerkrankungen unterstützend zu medizinischen Therapiemöglichkeiten wirken.

Denken Sie bei der Ernährung bei Tumorerkrankungen auch an Folgendes:

  • Erstellen Sie gemeinsam mit dem Arzt oder einer Ernährungsberaterin einen individuellen Ernährungsplan.
  • Bevorzugen Sie eine nährstoff- und energiereiche Kost.
  • Sie sollten versuchen, Essen nicht als Zwang zu empfinden, sondern als Lebensqualität.
  • Sorgen Sie für Abwechslung auf dem Speiseplan.
  • Beginnen Sie bereits beim/vor dem Einkauf mit der Planung.
  • Planen Sie Zusatzernährung frühzeitig mit ein.

Ihre Ansprechpartner im Klinikum Saarbrücken

Portraitfoto Joachim Weis Ärztlicher Leiter Strahlentherapie im Klinikum Saarbrücken

Joachim Weis

Ärztlicher Leiter Institut für Strahlentherapie
Facharzt für Strahlentherapie und diagnostische Radiologie

Tel. 0681 / 963-2824
Fax 0681 / 963-2846
Kontaktformular

Portraitfoto Monika Emich-Schug, Ernährungsberaterin im Klinikum Saarbrücken

Monika Emich-Schug

Lehrkraft für Ernährung und Diätetik, Diabetesassistentin DDG

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