Hypnose(se)therapie
bei körperlichen Erkrankungen und psychosomatischen Störungen

Inhalt
1. Unterschiede therapeutische Hypnose und Showhypnose
2. Was ist Hypnose/Trance?
3. Kann in Trance etwas gegen meinen Willen geschehen?
4. Verliere ich in Trance die Kontrolle über mich?
5. Bin ich überhaupt hypnotisierbar?
6. Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Hypnosebehandlung?
7. Hypnotherapie - Wundermittel oder Hokuspokus?
8. Links zu Hypnose - Finden Sie einen qualifizieren Hypnotherapeuten
9. MeineVeröffentlichungen zu Hypnose in der Medizin
In den letzten Jahren ist ein wachsendes Interesse am Einsatz von Hyponose innerhalb der Psychotherapie zu beobachten. Leider verbinden viele Menschen mit 'Hypnose' aufgrund von Fernsehfilmen und Bühnenshows falsche und oft angsteinflößende Vorstellungen, die den Einsatz von Hypnose als therapeutisches Verfahren (=Hypnotherapie) erschweren. Im folgenden soll auf die häufigsten Fragen bzw. Vorbehalte gegenüber der Hypnose eingegangen werden.
1. Was ist der Unterschied zwischen Showhypnose und therapeutischer Hypnose? Wer darf überhaupt mit Hypnose arbeiten?
Leider gibt es in Deutschland - in Gegensatz zu anderen Ländern - kein Gesetz, das die Anwendung von Hypnose außerhalb von Psychotherapie und ihre Anwendung durch Nicht-Psychotherapeuten verbietet. In Deutschland darf sich jeder 'Hypnotiseur' oder 'Hypnosetherapeut' nennen und angeben, er arbeite mit Hypnose, ohne eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben. Keiner der sog. Hypnotiseure, die Sie vielleicht im Fernsehen gesehen haben, und deren Ankündigungen Sie in der Zeitung lesen, ist ein psychotherapeutischer Hypnosetherapeut. Therapeutische Hypnose darf nur von entsprechend ausgebildeten Ärzten und Psychologen ausgeübt werden (die für ihre Tätigkeit keine Reklame machen dürfen). Einen ausgebildeten Hypnotherapeuten finden Sie in den Therapeutenlisten der 3 deutschen Hypnosefachgesellschaften (siehe Links). Show- und Zeitungshypnotiseure' haben keine psychotherapeutische Ausbildung! Show- und Bühnenhypnoiseure arbeiten mehr mit Tricks und dem Zwang der sozialen Situation als mit echten Trancephänomenen.
2. Was ist Hypnose/Trance?
Das griechische Wort 'hypnos' = Schlaf legt die Vermutung nahe, daß Hypnose ein schläfähnlicher Zustand sei. Sie ist jedoch nicht zutreffend. Daher verwenden die meisten Hypnotherapeuten (=Fachpsychotherapeuten, die mit Hypnose arbeiten) den Begriff der TRANCE. Trance ist ein natürliches Phänomen, das immer dann auftritt, wenn wir auf eine Tätigkeit ganz kon-zentriert sind, wie z.B. Musikhören, in einem Fotoalbum blättern oder joggen. In einem solchen Zustand der konzentrierten Aufmerksamkeit wird unser Erleben intensiver und unser Denken flexibler. Die durch die Zusammenarbeit von Klient und Hypnotherapeut hervorgerufene therapeutische Trance unterscheidet sich von natürlichen Trancezuständen allenfalls durch ihre Dauer und Intensität. Durch das Aufgehen im eigenen inneren Erleben entsteht ein Zustand, der sich mühlelos, ohne bewußte Anstrengung, entwickelt. In einem solchen Zustand sind unsere Gedanken, Gefühle und körperliche Reaktionen besser zugänglich und änderbar. Und genau dieser Zustand einer erhöhten Wandelbarkeit soll zu therapeutischen Zwecken genutzt werden. Der bekannte amerikanische Psychiater Miton Erickson hat therapeutische Trance als den Zeitraum bezeichnet, in dem Menschen ihre gewohnten Gleise verlassen und neue Möglichkeiten erleben, ihre Probleme zu lösen.
3. Kann in einem Trancezustand etwas gegen meinen Willen geschehen?
Im Verlaufe einer Trance gibt der Hypnotherapeut sogenannte Suggestionen. Er hat sich vorher kundig gemacht, was das Problem des Patienten ist und was er erreichen will. Die Suggestionen werden also im Sinne der Ziele des Patienten gegeben. Die Suggestionen sind als Angebote zu verstehen, die der Patient annehmen oder ablehnen kann. Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, daß Menschen in therapeutischer Trance nur auf die Suggestionen reagieren, die für sie bedeutsam sind und mit ihren Zielen übereinstimmen. Die Suggestionen sind also nur dann wirksam, wenn das darin enthaltene Angebot angenommen wird (sog. Selbstsuggestion). Daher kann auch niemand in Trance zu einem Verbrechen angestiftet werden, wenn er es nicht selbst will. Der Mißbrauch dieses Zustandes erhöhter innerer Wandelbarkeit ist daher sowohl durch die erhaltene Selbstbestimmung des Patienten als auch durch die Verpflichtung des Therapeuten, zum Wohle des Patienten zu arbeiten, ausgeschlossen.
4. Verliere ich in Trance die Kontrolle über mich?
Therapeutische Trance ist in der Regel eine leichte Trance (z.B. im Unterschied zu tiefen Trancen in religiös-ekstatischen Zuständen), d.h. einerseits nehmen sie äußere Reize wahr und haben jederzeit die Möglichkeit, aus diesem Zustand herauszugehen. Andererseits laufen gleichzeitig die genannten unwillkürlichen Prozesse wie intensiviertes und verändertes inneres Erleben ab. Therapeutische Trance zeichnet sich gerade dadurch aus, daß beides, bewußte und unbewußte Prozesse, gleichzeitig möglich sind und daß die entweder-oder-Regel unseres Alltagsbewußtseins teilweise außer Kraft gesetzt sind.
5. Bin ich überhaupt hypnotisierbar?
Zum Gelingen einer Trance gehört neben den Fertigkeiten des Therapeuten die Bereitschaft des Patienten zur Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich auf diesen Prozeß einzulassen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann fast jeder Mensch eine zu therapeutischen Zwecken ausreichende Trancetiefe entwickeln. Manchmal sind einige Übungssitzungen notwendig, um therapeutisch arbeiten zu können. Auch wenn das Erfahren der Trance durch Übung verbessert werden kann, so sind verbissenes und willentliches Hervorrufen der Trance nicht möglich. Daher: locker bleiben und in die eigenen Fähigkeiten vertrauen!
6. Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine hypnotherapeutische Behandlung?
Alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine fachpsychotherapeutische Hypnosebehandlung bei einem ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten, der von der kassenärztlichen Vereinigung zugelassen ist. Eine entsprechende Liste können Sie von Ihrer Krankenkasse erhalten.
7. Ist Hypnotherapie ein Wundermittel oder Hokuspokus?
Laut dem Forschungsgutachten der Bundesregierung zur Psychotherapie gehört Hypnose zu den 5 erfolgreichsten und am besten untersuchten Therapieverfahren. Am besten sind die positiven Effekte in der Behandlung von Ängsten und psychosomatischen Störungen sowie akuter und chronischer Schmerzsyndromen, einschließlich Krebsschmerzen, gesichert. Hypnose wurde als Schmerzbewältigungsverfahren von der NIH-Consensus Task Force in den USA anerkannt. Im Rahmen einer beweisgesicherten (evidence based medicine) erfüllt die Hypnose die höchsten Wirksamkeitskriterien bei akuten Schmerzen und in der Behandlung postoperativer Komplikationen. Manche Menschen haben an die Hypnotherapie unrealistische Erwartungen, wenn sie hoffen, daß teilweise langjährige und schwierige Probleme durch eine Hypnosesitzung von heute auf morgen verschwinden können und daß sie selbst - außer der Bereitschaft, in Trance zu gehen, nichts zum Therapieerfolg beitragen müssen. Der Einsatz von Hypnose ist nur sinnvoll im Rahmen eines übergeordneten Therapiekonzeptes! Bevor ein verantwortungsvoller Therapeut mit Hypnose arbeitet, wird er mit dem Patienten vorbereitende Gespräche führen, um eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen und um mit dem Patienten die Ziele zu erarbeiten, die durch die Hypose erreicht werden sollen. Die in der Trance gemachten Erfahrungen müssen in das Leben integriert werden, z.B. in Form von Aufgaben, die während der Hypnosesitzungen ausgeführt werden (z.B. bei Ängsten, neue Verhaltensweisen auszuprobieren) oder in Form von Selbsthypnose (z.B. bei chronischen Schmerhen). Daher kombinieren die meisten Psychotherapeuten Hypnosebehandlung mit andereren psychotherapeutischen Methoden. Körperliche Erkrankungen ( z. B. Krebs, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Allergien) können durch Hypnose nicht geheilt werden, eine Symptomreduktion ist jedoch in Einzelfällen möglich. Bei chronischen Schmerzen aufgrund körperlicher Erkrankungen wirkt (Selbst-) Hypnose wie ein Medikament, d.h. nur bei regelmäßiger Selbstanwendung 1-3 mal täglich. Wie bei jeder anderen Psychotherapie ist für den Therapieerfolg die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Eigenaktivität des Patienten mitentscheidend!
8. Links - So finden Sie einen qualifizierten Hypno(se)therapeuten und weitere Informationen zur medizinischen Hypnose
Deutsche Gesellschaft für Ärztliche Hypnose und Autogenes Training
http://www.dgaehat.de
Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose
http://www.milton-erickson-gesellschaft.de
Deutsche Gesellschaft für Hypnose
http://www.hypnose-dgh.de
Hypnos Verlag: Informationen zur medizinischen Hypnose und Bestellmöglichkeiten von CD's zur medizinischen Hypnose
http://www.hypnos.de
26 verschiedene Hypnosesitzungen von einem der Experten der Selbsthypnose Online Brian Alman ( leider nur in Englisch)
http://www.selfhypnosis.com
9. Meine Veröffentlichungen zur Hypnose in der Medizin
Häuser W. : Hypnose in der Gastroenterologie. Hypnose und Kognition 1+2 (1997) 25-32
Häuser W.: Ambulante Therapiekombinationen bei Angststörungen. (Aktivwach-) hypnose und Sporttherapie. Psychotherapeut 44 (1999) 176-182
Häuser W.: Hypnose als Standardbehandlung in der somatischen Medizin? Hypnose und Kognition 19 (2002)5-14
Häuser W., Stetter F., Kupper, S. : Für Sie gelesen: Effektivität hypnotischer Schmerzbehandlung. Eine Metaanalyse hypnotisch induzierter Analgesie: Wie effektiv ist Hypnose? Der Schmerz 16 (2002) 155-157
Häuser W: : Stellenwert der Hypnose in der Therapie des Reizdarmsyndromes. PsychoMed 4 (2002) 227-232
Häuser W: Schmetterlinge im Bauch. Behandlung von Reizmagen und Reizdarm durch medizinische Hypnose .2003, CD im Hypnos Verlag ISBN 3-933569-28-1
Häuser W, Wambach S: Leistungsfähigkeit durch erholsamen Schlaf. Aktive Schmerzkontrolle. Medizinische Hypnose zur Therapie des Fibromyalgiesyndromes.2003, CD im Hypnos Verlag ISBN 3-933569-30-3
Häuser W. Hypnose in der Gastroenterologie. Zeitschrift für Gastroenterologie 42 (2003) 405-412
Häuser W. Schmetterlinge im Bauch. Ablations- und Lifehypnose in der Behandlung einer Patientin mit Reizmagen- und Reizdarmsyndrom. In: Ebell HJ, Schuckall H (Hrsg) : Warum therapeutische Hypnose? Aus der Praxis von Ärzten und Psychotherapeuten. München: Pflaum Verlag (2004) 76-91
Häuser W. Hypnose beim Reizdarmsyndrom. In: Revenstorf, D., B. Peter (Hrsg): Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Berlin: Springer Verlag. 2. Auflage (2008) 558-568 Z
usammengestellt von PD Dr. med. Winfried Häuser, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Therapeut und Dozent für Autogenes Training und Hypnose DGÄHAT (Deutsche Gesellschaft für ärztliche Hypnose und Autogenes Training), Hypnotherapeut MEG (Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose), Weiterbildungsermächtigter der Ärztekammer des Saarlandes für Hypnose und Entspannungsverfahren
Letzte Überarbeitung: 01.07.2010
(PD Dr.med.Winfried Häuser)
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