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Essstörungen
Akutstationäre psychosomatische Behandlung

1. Ziele

2. Indikationen

3. Ablauf

4. Therapeutisches Angebot

5. Unsere Veröffentlichungen zu Essstörungen

6. Links

 

1. Ziele: Die internistisch-psychotherapeutische (= psychosomatische) Behandlung ermöglicht die Fortführung der ambulanten internistischen und psychotherapeutischen Behandlung bzw. schafft die Voraussetzungen für eine psychosomatische Rehabilitationsbehandlung.

 

2. Indikationen: Eine psychosomatische Behandlung in einer spezialisierten Abteilung in einem Akutkrankenhaus ist immer dann sinnvoll, wenn sich die körperliche und/oder seelische Symptomatik so verschlechtert hat, dass eine ambulante Behandlung nicht mehr sinnvoll bzw. verantwortbar ist. In manchen Fällen schafft sie erst die Voraussetzungen für eine Rehabilitationsmaßnahme, da Rehabilitationskliniken die stationäre Aufnahme häufig von einem Mindest Body Mass Index (BMI), z. B. 14, abhängig machen. Die Notwendigkeit einer stationären Behandlung ist in der Regel bei folgenden Konstellationen gegeben:
Bei Anorexia nervosa: Ausgeprägtes Untergewicht (BMI < 14) bzw. rasche Gewichtsabnahme in wenigen Wochen mit zunehmender körperlicher und geistiger Schwäche Bei Bulimia nervosa: Mehrere Fress-Brechanfälle pro Tag mit erheblichen Entgleisungen der Elektrolyte (Blutsalze)

Bei allen Essstörungen: Akute schwere internistische Erkrankungen (z. B. Lungenentzündung); Medikamentenentzug (Wassertabletten, Abführmittel, Schmerzmittel); seelische Dekompensationen (z. B.zunehmende Ängste, Depressionen, Zwänge) oder eskalierende Partnerschafts- und Familienkonflikte

 

3. Ablauf: Patienten mit Essstörungen im Alter ab 16 Jahren in körperlichen und seelischen Krisensituationen können in unsere Klinik jederzeit (auch nachts und am Wochenende) aufgenommen werden. In der Woche sollte eine Aufnahme nach Rücksprache mit dem Sekretariat des ärztlichen Leiters des Funktionsbereiches Psychosomatik, Herr Dr. med. W. Häuser (Tel. 0681- 963-2021), an Wochenenden und in der Nacht mit der internistischen Liegendaufnahme des Klinikums Saarbrücken (Tel. 0681-963-2525) erfolgen. Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen werden in der Regel auf die Station 46 (4. Stock des Hauptgebäudes) aufgenommen. Auf dieser Station werden ebenfalls Patienten mit internistischen Erkrankungen (Herz, Lunge, Leber, Magen-Darm) einschließlich Tumorerkrankungen behandelt. Die  behandelnden Ärzte sind sowohl internistisch als auch psychotherapeutisch qualifiziert. Die Behandlungsdauer in unserer Klinik liegt zwischen 1-3 Wochen

 

4. Therapeutisches Angebot

Verhaltensmedizinische Ernährungstherapie: Unter Berücksichtigung individueller Wünsche (z. B. vegetarische Kost) wird in Zusammenarbeit mit der Ernährungsberaterin (Diplom Öcotrophologin) ein medizinisch sinnvoller Essensplan festgelegt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Sie eine auf Sie abgestimmte Ernährung erst am 2. Tag der stationären Behandlung erhalten können. Es werden im Rahmen eines Therapievertrages feste Essenszeiten mit einer Mindest- und Höchstdauer (30 Minuten) festgelegt. Bei Untergewicht bieten wir zusätzlich hochkalorische Trinknahrung mit verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Durch den schrittweisen Nahrungsaufbau und die Berücksichtigung individueller Wünsche können wir eine künstliche Ernährung über eine dünne Sonde, welche über die Nase in den Magen oder den Dünndarm eingelegt wird, meist vermeiden. Eine Sondenernährung ist bei einem BMI < 12.5 notwendig. Eine Ernährung über die Gabe von Infusionen über eine Vene ist zur Ernährungstherapie nicht sinnvoll.

Psychotherapie: Neben dem Aufnahmegespräch (bei dem die Teilnahme von Eltern bzw. Partnern erwünscht ist) werden 3 psychotherapeutische Gespräche durch die psychotherapeutisch ausgebildeten Stationsärzte angeboten, in denen die Gedanken/Gefühle im Zusammenhang mit dem Essen besprochen werden. Weiterhin wird eine Bestandsaufnahme der aktuellen Probleme gemacht und die weitere Behandlung mit dem Patienten und dem einweisenden Arzt geplant. 2mal pro Woche erfolgt eine Visite durch den Leiter der Psychosomatik.

Medizinische Diagnostik und Therapie: Im Falle von Begleiterkrankungen verfügen wir als Krankenhaus der Maximalversorgung über sämtliche Möglichkeiten medizinischer Diagnostik und Therapie.

Weitervermittlung: Falls notwendig und vom Patienten gewünscht, können wir einen ambulanten Psychotherapieplatz bei erfahrenen Psychotherapeutinnen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten, vermitteln sowie einen Antrag für eine psychosomatische Rehabilitationsmaßnahme in einer auf Essstörungen spezialisierten Klinik stellen. Eine Direktverlegung in eine längerfristige stationäre Psychotherapie ist leider nicht möglich, da erst eine Kostenzusage der Krankenkassen bzw. des Rentenversicherungsträgers abgewartet werden muss und es Wartezeiten in den Rehabilitationskliniken gibt. Es vergehen in der Regel 3-12 Monate, bis eine Aufnahme in einer Rehabilitationsklinik möglich ist.

Psychopharmaka: Werden von uns nur selten angeboten und nur im Falle von begleitenden psychischen Störungen (z. B. Depressionen, Ängsten oder Zwängen)

Sonstige Therapien: Bei ausreichender körperlicher Stabilität ist die Teilnahme am Trainingsprogramm der Abteilung für physikalische Therapie (Muskelaufbautraining, Ergometertraining) möglich. Weiterhin können Sie im Therapieraum der Station das Angebot von Patienteninformationsfilmen (z. B. über Essstörungen oder Depressionen) und Entspannungs-CD’s nutzen. Ein mehrstündiges tägliches Therapieprogramm können und wollen wir nicht anbieten: im Akutkrankenhaus liegt der Schwerpunkt auf der Ernährungstherapie und der Behandlung von internistischen Begleiterkrankungen sowie der psychotherapeutischen Krisenintervention.

 

4. Literatur

a. Häuser W.: Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. In: Caspary W. F., Stein J. (Hrsg.): Darmkrankheiten. Klinik, Diagnostik und Therapie. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag (1999)765-774

b. Häuser W.: Ernährungstherapie bei Essstörungen. In: Stein J, Jauck KW (Hrsg): Praxishandbuch klinische Ernährung und Infusionstherapie. Berlin: Springer Verlag (2003) 721-731

c. Häuser W, Kölsch A. Zertifizierte Fortbildung: Essstörungen. Ärztliche Praxis 13 (2006) I-VII

5. Links

a. Onlineberatung von Betroffenen durch psychologische Psychotherapeuten, Diskussionsforen für Betroffene und Angehörige, Kontaktadressen http://ab-server.uni-leipzig.de/

 b. Informationen über Symptome, Ursachen von essstörungen, beratungs- und Therapieangebote für betroffene, Angehörige und Fachleute

http://www.anad-pathways.de

http://www.hungrig-online.de

http://www.magersucht-online.de

http://www.bulimie-online.de

c. Informationen über Essstörungen, Onlineberatung, geschützte Chatrooms für Betroffene

http://www.essstoerungen-frankfurt.de

d. Informationen über Esstörungen, Adressenverzeichnis von Behandlungsangeboten, telefonische und Onlineberatung

http://www.bzga-essstoerungen.de/

e. Informationen über Esssstörungen, Selbsttest (bin ich magersüchtig?), Links zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten

www.leben-hat-gewicht.de

f. Online Selbsthilfeprogramm (basierend auf der kognitiven Verhaltenstherapie) der Münchener Beratungsstelle für Essstörungen 'Cindarella' und der Psychosomatischen Klinik Prien

http://www2.salut-ed.org/demo

 

Letzte Aktualisierung: 01.07.2010

(PD Dr.med.Winfried Häuser)


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