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Steinmetaphylaxe

 

 

 


Leitlinie zur Metaphylaxe des Harnsteinleidens

1. Allgemeine Metaphylaxe
Die allgemeine Metaphylaxe ist eine therapeutische Empfehlung für jeden Steinpatienten, d.h. unabhängig von seiner Steinart. Ihr Ziel besteht in der Senkung der relativen Übersättigung des Urins und damit der Wahrscheinlichkeit einer Steinbildung.
Die Patienten sollten so viel trinken, daß die tägliche Urinausscheidung mindestens 2 bis 2,5 l beträgt. Dazu werden vor allem harnneutrale Getränke wie Früchte-, Kräuter-, Nieren- oder Blasentee, mineralstoffarme Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte empfohlen. Vermieden werden sollte ein übermäßiger Genuß an Bohnenkaffe oder schwarzem Tee. Ungeeignet für die Harndilution sind alkoholische Getränke. Der Patient sollte über eine gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit über den Tag sowie vor der Schlafphase informiert werden.
Zusätzlich sollten eine ausgewogene vitamin- und ballaststoffreiche Kost empfohlen, Übergewicht und Tätigkeiten, die mit vermehrtem Schwitzen einhergehen, vermieden werden.

Spezielle Metaphylaxe

Kalziumoxalatsteine

I. Tägliche Eiweißzufuhr < 0,8 bis 1 g/kg Körpergewicht reduzieren und purinreiche Nahrungsmittel wie z. B. Innereien vermeiden
Orale Kalziumaufnahme < 600 bis 800 mg/die begrenzen
Pflanzliche Fasern ( z. B. Gemüse, Früchte, Rohkost) empfehlen, da so die Kalziumausscheidung gesenkt werden kann.
II. Bei Unwirksamkeit von I :Alkalicitrate (z. B. Uralyt U®, Oxalyt C®, Kalinor®, Blemaren®; Dosierung: 30 bis 60 mEq/d, verteilt auf 3 Dosen pro die)
Kontraindikation: Harnwegsinfekte, schwere arterielle Hypertonie, Hyperkaliämie, Alkalose und Niereninsuffizienz. Bei Niereninsuffizienz oder Hyperkaliämie empfiehlt sich Na-Hydrogenkarbonat (Nephrotrans®).

Hyperoxalurie
Es empfiehlt sich eine oxalatarme Diät. Eine fettarme Diät ist bei ausgeprägter Fettresorptionsstörung indiziert( mittelkettige Fettsäuren /MCT-Fette) .
Zusätzlich kann bei niedriger Kalziumausscheidung Kalzium oral substituiert werden (kalziumreiche Diät bzw. Kalziumkarbonat 1 bis 4 g/die, verteilt auf drei bis vier Gaben/die). Alternativ kann Magnesium (z. B. Magnesium Verla®, Magnetrans®; 200 bis 400 mg/die) gegeben werden, da neben einer intestinalen Komplexbildung mit Oxalat die renale Magnesiumausscheidung gefördert wird.
Kaliumcitratsalze (cave bei Niereninsuffizienz) können zum Ausgleich einer Hypokaliämie sowie metabolischen Acidose verabreicht werden, womit gleichzeitig die renale Citratausscheidung erhöht wird.
Durch die Gabe von Cholestyramin (Quantalan®) können Fettsäuren, Gallensäuren sowie Oxalat intestinal gebunden werden (4 bis 16 g/die, verteilt auf vier Dosen zusammen mit den Mahlzeiten). Zu beachten ist, daß auch die Resorption anderer Medikamente wie z. B. Herzglykoside beeinträchtigt werden kann,die eine Stunde vor oder vier Stunden nach dem Cholestyramin eingenommen werden sollten.

Hypocitraturie
Therapeutisch kann die Citratausscheidung durch eine Alkalisierung des Urins gesteigert werden. Nach Ausschluß eines Harnwegsinfektes kann der Urin-pH auf 7,2 angehoben und die Citratausscheidung um > 40% gesteigert werden.
Dazu sollten pflanzliche Nahrungsmittel und alkalisierende Getränke verordnet werden,bei unzureichender Wirkung Citratsalze (Kalinor®, Lithurex®, Blemaren®, Uralyt U®) oder Bikarbonat (Nephrotrans®). Die Dosierung orientiert sich am Urin-pH und an der Citratausscheidung.

Die Therapie der Hyperurikämie und Hyperurikosurie sollte unter BerückHyperurikämie und Hyperurikosurie
sichtigung ätiologischer Faktoren in Abhängigkeit der Höhe der Serumharnsäure und der renalen Harnsäureausscheidung abgestuft erfolgen.
. Bei Serumharnsäurewerten > 0,4 mmol/l : Reduzierung purinreicher Nahrungsmittel, Alkohol, Übergewicht.
I. Bei unzureichender Wirkung und höheren Harnsäurewerten: Allopurinol (Zyloric®, Foligan®, Urosin®) 100 bis 300 mg/die.
II. Zusätzlich Alkalisierung des Urins mit Alkalicitraten (Uralyt U®, Blemaren-N®, Kalinor®) oder Na-Hydrogenkarbonat (z.B. Nephrotrans®), wobei der Urin-pH nach Ausschluß eines Harnwegsinfektes auf Werte um 7 eingestellt werden sollte.

Hypomagnesiurie
Magnesium bildet lösliche Komplexe mit Oxalat.
Die Therapie besteht neben der Gabe von Alkalicitratsalzen in der Substitution von Magnesium in einer Dosierung von 200 bis 400 mg/die (z. B. Magnesium Verla®, Magnetrans®).

Harnsäuresteine
Therapie und Rezidivprophylaxe:
Harndilution (> 2000 ml/die) regelmäßig über den Tag verteilt
Alkalisierung des Urins durch hydrogenkarbonatreichen Mineralwässer, Zitrusfrüchten, Alkalicitratsalze (Uralyt-U®, Blemaren N®, Kalinor®) oder Na-Hydrogenkarbonat (Nephrotrans®) auf ph- Werte um 7,0.
Bei Harnsäurewerten > 0,4 mmol/l: Reduzierung purinreicher Nahrungsmittel, Alkohol und Übergewicht.
Bei höheren Harnsäurewerten: zusätzlich Allopurinol von 100 bis 300 mg/die.
Chemolitholyse
90 % aller Harnsäuresteine können durch Chemolitholyse aufgelöst werden. Die orale Chemolitholyse beinhaltet die Maßnahmen der Metaphylaxe.
Bei der lokalen Chemolitholyse wird das Steinmaterial über eine Ureterschiene oder einen Nephrostomiekatheter mit einer alkalischen Lösung umspült (Perfusionsdruck < 20 cm H2O). Aufgrund der hohen Komplikationsrate (z.B. Urosepsis oder systemische Resorption der Spülflüssigkeit) bedarf es einer strengen Indikationsstellung. Bei blockierenden Uretersteinen wird durch eine ESWL oder endourologische Maßnahmen , sofern der Stein nicht vollständig entfernt wurde, der Harnabfluß wiederhergestellt und die Oberfläche des Steines vergrößert, so daß eine orale Chemolitholyse effektiver erfolgen kann.

Uratsteine
Als Metaphylaxe empfehlen sich die Senkung der Harnsäurebildung (diätetisch , Allopurinol) und die Infekttherapie. Eine orale Litholyse durch Alkalisierung des Urin-ph´s ist kontraindiziert.

Struvitsteine
Die Therapie und Metaphylaxe der Struvitsteine sollte nach folgenden Richtlinien erfolgen:
Steinsanierung incl.Matrix und Korrektur von anatomische Fehlbildungen, Harnabflußstörungen, Diabetes mellitus, Phenacetinabusus)
Behandlung des Harnwegsinfektes
Eine vollständige Sanierung des Infektes ist nur bei vollständiger Entfernung des Steines und der Matrix möglich. Wenn operativ keine vollständige Steinentfernung erreicht werden kann, ist eine testgerechte Langzeitantibiose sinnvoll.
Urin-pH < 6,2 durch L-Methionin (Acimethin®) oder Ammoniumchlorid (Extin®) bei Reststeinen oder persistierendem Infekt.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollte aufgrund der Gefahr eine metabolischen Acidose diese Therapie lediglich unter Kontrolle des Säure-Basenhaushaltes erfolgen. Zusätzlich besteht bei Ansäuerung des Urins die Gefahr einer Hyperkalziurie und Hypocitraturie, so daß diese Parameter im Verlauf der Therapie kontrolliert werden sollten.
Harndilution
Bevorzugt werden bikarbonatarme Mineralwässer, Nieren-, Blasen- und Früchtetees sowie verdünnter Apfelsaft. Nur ieingeschränkt sollte der Patient schwarzen Tee oder Bohnenkaffee trinken. Ungeeignet sind Zitrussäfte, bikarbonatreiche Mineralwässer und alkoholischen Getränke.
Hyperphosphaturie
Bei Vorliegen einer Hyperphosphaturie sollte der Fleischkonsum (0,8-1 g Eiweiß/kg KG) eingeschränkt und phosphatreiche Nahrungsmittel (Hart- und Schmelzkäse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kakao, Leber) vermieden werden. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann ein Therapie mit Aluminiumhydroxid (Aludrox®) versucht werden.

Karbonatapatit- und Brushitsteine
Der Karbonatapatitstein ist häufig kombiniert mit einem Struvit- oder Kalziumoxalatstein.Brushitsteine sind in der Regel monomineralischer aufgebaut. Ihr Bildungsoptimum liegt bei einem Urin-pH zwischen 6,5 und 7,2. Eine renal-tubuläre Acidose oder Immobilisation können bei der Entstehung von Bedeutung sein.
Metaphylaxe:s.Struvitsteine

Renal-tubuläre Acidose
Zum Ausgleich der systemischen Acidose kann Na-Bikarbonat gegeben werden. Besser ist jedoch die Gabe von Alkalicitraten (Uralyt-U®, Blemaren®, Kalinor®). Durch diese Medikamente wird nicht nur die systemische Acidose ausgeglichen, sondern gleichzeitig auch die Citratausscheidung gesteigert. Bei Niereninsuffizienten sollten keine Kaliumcitratsalze gegeben werden (Gefahr der Hyperkaliämie). Hier empfiehlt sich die Gabe von Natrium-Kalzium-Citrat (Acetolyt®).Falls es zu keiner Besserung der Hyperkalziurie kommt, empfiehlt sich die zusätzliche Gabe von Benzothiazid-Diuretika (Esidrix®, Hygroton®; cave Niereninsuffizienz).
Patienten mit einer renal-tubulären Acidose sollten zweimal jährlich durch Messung des Serumchlorids, des Serumbikarbonates und der Kalzium- und Citratexkretion im Urin nachkontrolliert werden.
Die Gabe von Säuren mit dem Ziel, den Urin anzusäuern, ist kontraindiziert, da darunter lediglich die systemische Acidose verschlechtert wird.

Zystinsteine
Die Therapie und Metaphylaxe der Cystinsteine basiert auf folgenden Faktoren:
Harndilution
Trinkmenge pro Tag zwischen 3,5 bis 4 l, optimal 5-7l. Empfohlen werden alkalisierende oder harnneutrale Getränke (bikarbonatreiches Mineralwasser, Citrussäfte, Nieren-, Blasen- und Früchtetee). Die Flüssigkeitszufuhr sollte über den Tag und Nacht verteilt werden.
Diät
Empfehlenswert wäre eine methioninarme Kost, da Zystin beim Abbau von Methionin gebildet wird. Eine solche Diät ist aufgrund der Einschränkung der Lebensqualität nicht praktikabel. Aus diesem Grund wird eine ausgewogene, relativ proteinarme Mischkost empfohlen(< 0,8 g Protein/kg/die)
Alkalisierung des Urins
Bei einem pH-Wert > 7 steigt die Löslichkeit des Zystins stark an. Aus diesem Grund empfiehlt sich nach Ausschluß eines Harnwegsinfektes eine Alkalisierung des Urins mit Alkalicitratsalze (Uralyt-U®, Blemaren N®, Kalinor®) oder Na-Hydrogenkarbonat (Nephrotrans®). Bei der Alkalisierung des Urins ist die Gefahr der Phosphatsteinbildung erhöht.
Ascorbinsäure oder a-Mercaptopropionylglycin
Bei einer Zystinausscheidung bis 840 mg/die sollte eine Ascorbinsäuretherapie durchgeführt werden. Das Prinzip der Ascorbinsäuretherapie 3-5g/die besteht in der Umwandlung von Zystin in besser lösliches Zystein. Wird Ascorbinsäure in reiner Form verabreicht, kann es zu einer Ansäuerung des Urins kommen. Da die Brausetabletten Bikarbonat enthalten, führt die Gabe von Ascorbin-Brausetabletten gleichzeitig zu einer Anhebung des Urin-pH´s.
Bei einer Zystinausscheidung von > 840 mg/die sollte eine Therapie mit a-Mercaptopropionylglycin (Captimer®) ergänzt werden. Das Prinzip dieser Therapie besteht in der Umwandlung von Zystin in Zystein und Bildung eines Komplexes zwischen Medikament und Zystein. ( 250 mg/die einschleichend auf eine Dosis von 1 bis 2 g/die.
In 20 % finden sich Geschmacksstörungen, Gastritiden und ein nephrotisches Syndrom. Ein wesentlicher Nachteil ist der Wirkungsverlust des a-Mercaptopropionylglycin mit der Zeit.
Die Gabe von D-Penicillamin muß aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen streng indiziert werden.
2.7. 2,8-Dihydroxyadeninsteine
Die Metaphylaxe der 2,8-Dihydroxyadeninsteine besteht neben einer ausreichenden Harndilution in der Gabe von Allopurinol. Allopurinol hemmt den Syntheseweg des 2,8-Dihydroxyadenins.

Xanthinsteine
Zur Metaphylaxe können neben einer Harndilution (3 l/die) lediglich diätetische Maßnahmen (purin-, proteinarm) durchgeführt werden.

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