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Der Hydrocephalus

 



Unser Gehirn und unser Rückenmarkskanal ist von Nervenwasser (Liquor) umspült. Gebildet wird das Nervenwasser in den Hirnkammern.
Unter Hydrocephalus versteht man eine Zunahme von Nervenwasser in den Hirnkammern, was zu einer Erweiterung einzelner oder aller Hirnkammern führt.

 

Im Säuglingsalter vor Verschluss der Schädelnähte führt dies zu einem übermässigem Kopfwachstum, im späteren Alter zu einer starken Druckerhöhung, die akut auftretend schnell lebensbedrohlich sein kann.


Ursachen:
Die Ursachen weshalb es zu einer Vermehrung des Liquors kommt sind vielfältig.
Normalerweise wird Liquor im gleichen Maße produziert, wie resorbiert. Dieses Gleichgewicht kann gestört werden durch ein Passagehindernis von den Hirnkammern zur Wirbelsäule oder durch eine verminderte Resorptionsfähigkeit des Liquors.

Als Passagehindernis finden sich oft Fehlbildungsformen die schon frühkindlich symptomatisch werden können wie Spina bifida, Chiari-Malformation, Dandy-Walker-Zysten und Aquäduktstenosen oder tumoröse Prozesse jeden Lebensalters. Hier findet man immer eine Erweiterung jener Hirnkammern, die oberhalb des Passagehindernis liegen.
Resorptionsstörungen findet man posttraumatisch, nach Hirnblutungen, nach Entzündungen des Gehirns oder ideopathisch, d. h. unbekannter Ursache. Bei diesen Formen findet man typischerweise eine Erweiterung aller vier Hirnkammern.


Diagnose:
Die Diagnostik erfolgt mittels Kernspintomographie mit dem Bild eines vergrößerten und verplumpten Ventrikelsystems, einer periventrikulären Liquordurchsetzung des Hirnparenchyms als Ausdruck eines chron. erhöhten Hirndrucks. Ferner zeigen sich kernspintomographische Liquorflussmessungen-Engstellen, sofern sie in anderen Sequenzen nicht sichtbar sind.


Behandlung:
Bei einem Passagehindernis ist der Hydrocephalus durch eine operative Behandlung des Hindernisses behandelbar. Erweiterung des Foramen magnum (Operation nach Gardner), Zystenentfernung, Tumorentfernung oder endoskopische Ventrikulozisternostosmie, bei der mit einer Kamera in die Hirnkammer eingegangen wird und Membranen, wie bei der Aquäduktstenose, beseitigt werden.

Führen diese Operationen nicht zum gewünschten Erfolg, oder sind in ihrer Durchführung zu risikoreich, bedarf es in den meisten Fällen, wie bei der Liquorresorptionsstörung einer äußeren Liquorableitung. Hierbei wird ein dünner Kunststoffschlauch meist in den rechten Seitenventrikel eingelegt und unter der Haut bis in den Bauchraum unter dem Bauchfell (Peritoneum) vorgeschoben. Am Kopf zwischengeschaltet wird ein Reservoir aus dem man Liquor punktieren, den Druck messen und die Funktionsfähigkeit des Systems überprüfen kann, angelegt. Nachgeschaltet ist ein Ventil, welches sich nach den individuellen Bedürfnissen ab eines eingestellten Druckes öffnet und Liquor passieren lässt. Diese Ventil ist leicht von außen über ein spezielles Instrumentarium magnetisch verstellbar, ohne allerdings versehentlich bei Kontakt mit starken Magnetfeldern reagieren zu können.

Es folgt nachgeschaltet hinter dem Ohr eine Gravitationseinheit, die den Liquorfluss in stehender oder sitzender Position drosselt, um eine hydrostatische Überdrainage zu verhindern (ProGAV).

Primär sollte immer an einen Ableitung in den Bauchraum gedacht werden, nur wenn wegen starker intraperitonealer Verwachsungen zu wenig Resorptionsfläche zur Verfügung steht, wird ein ventrikulo-atrialer Shunt gelegt, wobei das Ende des Katheters im rechten Vorhof zu liegen kommt.

Bei Säuglingen kommen kleinere nicht verstellbare Ventile zur Anwendung (PädiGAV). Eine Wartung des Shunts ist nicht erforderlich, lediglich bei klinischen Symptomen bedarf es der Überprüfung der Funktionsfähigkeit. Bei Kindern muss aufgrund des Wachstums nach einigen Jahren von Folgeoperationen zur Shuntverlängerung oder Erneuerung ausgegangen werden.

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