12.09.2017

Klinikum Saarbrücken gründet erstes Cardiac Arrest Center im Saarland

Schnelle Hilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand

Das Klinikum Saarbrücken hat als erstes Krankenhaus im Saarland ein so genanntes Cardiac Arrest Center gegründet. Ziel des Zentrums ist es, die Zahl der Patienten zu erhöhen, die nach einem Herz-Kreislaufstillstand mit erfolgreicher Wiederbelebung mit einem guten Behandlungsergebnis wieder entlassen werden können. „Wir haben hier im Haus sämtliche Prozesse geprüft und, sofern nötig, neu strukturiert und auf die Bedürfnisse des Herzstillstand-Patienten abgestimmt", so der Ärztliche Direktor des Klinikums Saarbrücken und Leiter der Zentralen Notaufnahme, Dr. Christian Braun. „Vom Rettungswagen über die Aufnahme und die Erstversorgung bis zur Entlassung aus der Intensivstation".

An Leitlinien orientiert

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen, erklärt der Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Saarbrücken, PD Dr. Florian Custodis. Die Versorgung von Patienten mit plötzlichem Kreislaufstillstand stellt eine große medizinische und organisatorische Herausforderung dar. Für Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand stehen im Cardiac Arrest Center eine schnelle und individuelle, an Leitlinien orientierte Diagnostik und Therapie an oberster Stelle. Und die beginnt bereits im Schockraum und nicht, wie normalerweise üblich, erst auf der Intensivstation. Dadurch wird kostbare Zeit gewonnen. Schon in der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Saarbrücken steht ein Team aus Kardiologen, Notfall- und Intensivmedizinern bereit, um ohne Zeitverlust die notärztliche Erstversorgung des Patienten zu übernehmen.

Darüber hinaus stehen Ärzte aus allen im Klinikum Saarbrücken vertretenen Fachabteilungen zur Verfügung. Die Spezialisten der unterschiedlichen Fachrichtungen arbeiten im Cardiac Arrest Center eng zusammen und stimmen alle Abläufe aufeinander ab. Im Klinikum Saarbrücken sind das neben der Kardiologie und der Zentralen Notaufnahme folgende Abteilungen:

  • Das Zentrum für Intensiv- und Notfallmedizin
  • Die Klinik für Neurologie
  • Sowie nach Bedarf alle 16 Fachabteilungen von der Allgemeinchirurgie über die Neurochirurgie bis hin zur Unfallchirurgie (zertifiziertes überregionales Traumazentrum).

Erwiesenermaßen ist das „Outcome" (der Zustand bei Entlassung aus dem Krankenhaus) der Patienten nach einer Wiederbelebung umso besser, je größer und erfahrener das Zentrum ist, in dem sie behandelt werden. Wichtig ist, dass nicht nur alle Fachabteilungen, sondern auch alle modernen Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen. Und die müssen sitzen: um ständig ein hohes Niveau medizinischer Qualität zu gewährleisten, finden in regelmäßigen Abständen Teamtrainings statt, an denen alle an der Versorgung beteiligten Fachgruppen aus Ärzteschaft und Pflege teilnehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei neben medizinischen auch psychologische und kommunikative Fähigkeiten der Teammitglieder, erläutert PD Dr. Custodis.

Fachlichkeit und Schnelligkeit sind Trumpf

Bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) ist es wichtig, schnell zu handeln, denn schon nach drei Minuten wird das Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt, sodass dort irreversible neurologische Schäden eintreten können. Sobald der spontane Kreislauf wieder hergestellt ist, beginnt die Phase, in der der Patient nach standardisierten Verfahren und Behandlungspfaden intensivmedizinisch versorgt wird. Ein reanimierter Patient hat in der Regel mehrere Probleme: Zum einen hat er das Grundproblem, das zu einem Herz-Kreislaufstillstand geführt hat. Am häufigsten handelt es sich um Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit bzw. einem Herzinfarkt. Es kann sich aber auch um Unfallopfer, Unterkühlte oder Ertrinkungsunfälle handeln. Ein weiteres Problem ist, dass die Reanimationsmaßnahmen selber zu einer Schädigung führen können. So kann es zu einer so genannten „Postreanimationserkrankung" mit möglicherweise Hirnschädigungen und Folgen für den gesamten Organismus kommen – deswegen ist die Zusammenarbeit mit den Neurologen so wichtig, erklärt PD Dr. Konrad Schwarzkopf, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Leiter des Zentrums für Intensiv- und Notfallmedizin.

Fachlichkeit und Schnelligkeit sind Trumpf. So geht es vom Schockraum aus – im Falle eines Herzinfarkts – ohne Zeitverzögerung ins nahegelegene Herzkatheterlabor, wo die Herzkranzgefäße wieder eröffnet und bei Bedarf mit Stents versorgt werden. Der Herzkatheter ist 24 Stunden, rund um die Uhr, verfügbar. Hatte der Patient einen Herz-Kreislaufstillstand aufgrund eines Unfalls, so müssen die Verletzungen versorgt werden. Hier arbeitet das Cardiac Arrest Center eng mit dem überregionalen Traumazentrum des Klinikums zusammen. Sollte auch durch ausgedehnte Reanimationsmaßnahmen keine Stabilisierung des Kreislaufs erreicht werden, können mechanische Herzunterstützungssysteme implantiert werden oder eine so genannte  extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) eingeleitet werden - ein Lungen-Ersatz-Verfahren, das die Atemfunktion außerhalb des Körpers sichert.

Engmaschige Betreuung

Nach der Erstbehandlung der reanimierten Patienten in der Notaufnahme erfolgt die engmaschige Betreuung auf der Intensivstation. PD Dr. Konrad Schwarzkopf, Chefarzt der Anästhesiologie und Leiter des Zentrums für Intensiv- und Notfallmedizin erklärt: „Die Atmungs- und Herz-Kreislauffunktion muss nun stabilisiert werden, um eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff, einen ausreichenden organversorgenden Blutdruck und eine ausreichende Durchblutung der Gehirnzellen sicherzustellen." In der Regel  ist der Patient in diesem Stadium beatmet. Ein weiteres spezielles Verfahren erhöht die Überlebensrate nach einer erfolgten Reanimation. Dabei wird der Patient für 24 Stunden auf eine Körpertemperatur von 33 Grad abgekühlt („Hyperthermie"). Alle diese Maßnahmen zielen darauf ab, bleibende neurologische Schädigungen so gering wie möglich zu halten.

„Die Gründung solcher Zentren hat sich in anderen europäischen Ländern als sinnvoll erwiesen und wird  von Reanimationsexperten auch für Deutschland gefordert", weiß der Kardiologe PD Dr. Florian Custodis. „Unser Anliegen ist es, Leben zu retten, aber nicht nur das: die Lebensqualität der behandelten Patienten steht im Mittelpunkt."

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