11.05.2017

Drittklässler lernen Wiederbelebung

Reanimation_Britz.jpgPrüfen – Rufen – Drücken. So lautet die Formel, wenn jemand plötzlich ohnmächtig wird. Das haben zwei dritte Klassen der Saarbrücker Ganztagsgrundschule Rastpfuhl  seit Februar immer wieder eingeübt. Und nun, beim Wiederholungstermin, die Abfrage, ob noch alles präsent ist. Im Beisein von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz wird alles noch einmal wiederholt. Und dann zeigen sie ihr, wie das geht. Sie kniet vor der Puppe, die Hände der Kinder fliegen hoch: „Jetzt musst du horchen, ob der noch atmet!". Und dann: „Jetzt musst du die 112 anrufen!". „Und jetzt die Herzdruckmassage!", „100mal pro Minute!". Charlotte Britz: „Und woher weiß ich, wann 100mal ist?". Ein Kind weiß es: „Du musst das Pippi-Langstrumpf-Lied singen." Und PD Dr. Konrad Schwarzkopf, der Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Klinikums Saarbrücken, erklärt: „Das Pippi-Langstrumpf-Lied hat ungefähr 100 Taktschläge in der Minute."

Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen. Doch die Helferquote beim Herzstillstand in Deutschland  ist alarmierend gering. Diese zu erhöhen, haben sich die Ärzte und Pflegekräfte der Kardiologie und des Zentrums für Intensiv- und Notfallmedizin des Klinikums Saarbrücken sowie das Team des ADAC-Hubschraubers Christoph 16 auf die Fahnen geschrieben.

Vor diesem Hintergrund entstand das Schulprojekt mit zwei dritten Klassen in der Ganztagsschule Rastpfuhl. Die beiden Chefärzte PD Dr. Florian Custodis (Kardiologie) und PD Dr. Konrad Schwarzkopf (Anästhesie und Intensivmedizin) sowie ein Team von Intensivpflegern kamen an jeweils vier Terminen in die Schule, um den Kindern zu zeigen, wie man sich in einem Notfall verhält. Denn früh übt sich. „Junge Menschen haben weniger Hemmungen zu helfen, deshalb sind sie wichtige Multiplikatoren für unser Ziel, eine möglichst breit gestreute Fähigkeit über Reanimationsmaßnahmen in der Bevölkerung zu erreichen", meint PD Dr. Konrad Schwarzkopf.

Als vorerst krönenden Abschluss übereichte Charlotte Britz jedem Kind eine Urkunde. Ein weiteres Highlight wird der Schulausflug mit Besuch des Klinikums und des Rettungshubschraubers Christoph 16 auf dem Winterberg sein.

In rund 80 Prozent der Fälle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes wissen Personen, die sich zufällig in unmittelbarer Nähe des Kollabierten befinden, nicht, was zu tun ist, oder wenden Gelerntes aus Scheu, etwas falsch zu machen, nicht an. Dadurch verrinnen lebenswichtige Minuten: „Schon nach fünf Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahmen nimmt das Hirn durch die mangelnde Sauerstoffversorgung irreparablen Schaden", erklärt PD Dr. Florian Custodis. Und weiter: „Die Chance, die etwa 5 Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überleben, steigt durch eine sofortige Herzdruckmassage um das Zwei- bis Dreifache!".

Seit 2012 werden im Klinikum Saarbrücken im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung" regelmäßig Laienreanimationskurse für die breite Bevölkerung durchgeführt. Daneben sind ÄrztInnen und Intensivpflegekräfte des Klinikums bei zahlreichen privaten Initiativen im ganzen Saarland ehrenamtlich tätig. So wurden zum Beispiel mehrere hundert Ersthelferinnen und -helfer bei Schulungen in Vereinen geschult.

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